Eva Maria Proßegger hatte viel Pech. Nach einer routinemäßigen Schluckimpfung gegen Kinderlähmung im Babyalter, in den Jahren 1988 bis 1990, war der Schock groß. Eva Maria war kurz danach durch einen Impfschaden für immer an den Rollstuhl gefesselt. Trotz alledem ist die junge Dame eine Kämpfernatur. Sie ist eine lebensfrohe Person, die u. a. den Sport liebt.
Ihr Lebensmotto lautet: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."
Eva Maria strahlt in allem, was sie tut, ungeheuren Lebensmut aus. Hermann Gasteiger und Walter Kopp, die beiden Initiatoren des Seppl-Laufs, der im letzten Jahr ein gigantischer Erfolg war, trafen auf der Suche nach einer Person, die 2012 Unterstützung bekommen sollte, auf die Rollstuhlfahrerin. „Wir wollen ihr helfen. Sie ist unglaublich engagiert und bildet sich mit Engagement fort. Wenn wir es auf diesem Wege schaffen, dass potenzielle Arbeitgeber auf sie aufmerksam werden, dann wäre unser größter Wunsch erfüllt", unterstreicht Kopp. Die junge Hochburg-Acherin strotzt vor Energie. Sie absolvierte die Handelsschule in Wien und kümmert sich derzeit um ihre Berufsreifeprüfung. Sie hätte viel Spaß daran, als Büromitarbeiterin im Lager, in der Verwaltung, im Ein- oder Verkauf oder in den Segmenten Personal- und Rechnungswesen zu wirken. Die Innviertlerin kann sich aber auch vorstellen, als Sachbearbeiterin, Rezeptionistin oder Telefonistin ihr Können und Engagement unter Beweis zu stellen. Die begeisterte Sportlerin war früher in der österreichischen Boccia-Nationalmannschaft tätig. Sie liebt es zu schwimmen, zu paragliding oder am Fallschirm zur Erde zu segeln.
Rückblickend auf den ersten Seppl-Lauf sind beide Organisatoren auch nach knapp einem Jahr nach diesem Silvesterfest von der Hilfeleistung der Bevölkerung fasziniert. Walter Kopp beschreibt die neue Kraft, die der schwer verunglückte Josef Wurm, zu dessen Gunsten die Veranstaltung stattfand, seit dieser Zeit geschöpft hat: „Sepp hat einen tollen Motivationsschub erhalten. Mit dem Geld, das wir damals eingespielt haben, konnte er sich unter anderem einen Fahrstuhl für sein Auto leisten. Jetzt unternimmt er mit seiner Betreuerin regelmäßig Ausflüge. Er fährt sogar an der Salzach entlang bis nach Raitenhaslach und wieder zurück. So nimmt er wieder am Leben teil. Das ist die wichtigste Botschaft, die wir mitteilen können." Silvester 2011 nahmen 640 Leuten am Seppl-Lauf teil. Mit zahlreichen separaten Spenden kamen insgesamt 15.000 Euro zusammen. Schon Wochen vor der zweiten Ausgabe werden Hermann Gasteiger und Walter Kopp auf die Veranstaltung angesprochen. Diese Idee hat den Zusammenhalt der Gemeinde gestärkt - und das wollten die Initiatoren auch erreichen.
(UK) Inn-Salzach-Kurier