• 2020

    Seppl-Lauf 2020 für Sepp

    Seppl-Lauf 2020: besonderes Jahr, besonderer Lauf


    Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums geht der Erlös der diesjährigen Seppl-Lauf-Digital-Edition 2020 an Seppl Wurm.

    Heuer wird nicht auf dem Asphalt gelaufen, sondern per Fotostrecke Meter für den guten Zweck gemacht!

    Der diesjährige Seppl-Lauf findet nicht nur Corona-bedingt unter besonderen „Umständen“ statt, sondern jährt sich auch zum 10. Mal und feiert Jubiläum.

    Der traditionelle Benefizlauf um die Organisatoren Walter Kopp und Hermann Gasteiger wurde erstmalig 2011 für den Verunglückten und Namensgeber Sepp Wurm ins Leben gerufen. Der Bruder von Hermann zog sich im Jahr davor bei einem Arbeitsunfall einen hohen Querschnitt zu und ist seither vom Hals ab gelähmt. Er ist nach monatelangem Klinikaufenthalt und anschließender Reha auf den Rollstuhl und 24-h-Betreuung angewiesen.

    Mit dem Spendenerlös des 1. Laufs konnte die lang ersehnte Hebebühne für seinen VW-Bus gekauft werden, um ihn so wieder am sozialen Leben wie Besuche, Feiern, Friseur, Einkäufe, Arzttermine oder Spazierfahrten teilnehmen zu lassen. Ihm wurde dadurch wieder ein Stück Selbstbestimmung und Mobilität geschenkt.

    Dieses Jahr sollte der Erlös des Jubiläumslaufs wieder seinem Namensgeber zu Gute kommen. Die letzten 10 Jahre mit unzähligen Folgeerkrankungen, daraus resultierenden häufigen Krankenhausaufenthalten und endlose Therapien waren für ihn, aber auch für seine Familie nicht immer leicht und kräftezehrend.

    Mit dem diesjährigen Erlös wollte sich Seppl einen lang gehegten Wunsch erfüllen und zum ersten Mal in seinem Leben Urlaub am Meer in einem behindertengerechten Hotel machen, um Kraft und Ausdauer für die kommenden Jahre und Herausforderungen zu tanken. Auch die Anschaffung eines aufwändigen Pflegebettes steht demnächst an.

    Mit vielen kleinen und größeren Spenden konnte über die letzten 10 Jahre vielen Menschen direkt, persönlich, unkompliziert und vor allem regional geholfen werden. Aber nicht nur Geld ist der eigentliche Antrieb des Organisationsteams dieser liebgewonnen Tradition. Es soll für jedermann auf diesem Weg vor allem Solidarität, Wärme, Nächstenliebe und Mitgefühl zum Jahreswechsel zum Ausdruck gebracht werden können.

    Aber was nun, mitten in der zweiten Welle der Coronakrise? Ein Lauf mit mehreren hundert Teilnehmern? Unvorstellbar! Ausfallen lassen? Sepp auf 2021 vertrösten und ihm seinen Wunsch nicht erfüllen? Für die Organisatoren und die Familie noch weniger vorstellbar.

    Deshalb soll dieses Jahr nicht gelaufen, sondern per Fotostrecke die Meter für den guten Zweck gemacht werden.
    Jeder, der spendet, kann ab dem 17. Dezember ein Foto zum Thema Seppl-Lauf auf die Facebookseite „Seppl-Lauf 2020 #seppllaufchallenge“ hochladen.

    Ohne Facebookprofil können die Fotos an die Mailadresse seppllauf@gmail.com gesendet werden, um dann auf oben benannter Facebookseite veröffentlicht zu werden.

    Hier geht es zur Instagramseite

    Auf dem Foto sollte in irgendeiner Weise das Wort „Seppl-Lauf“ zu lesen sein.

    Mit der Teilnahme erklären Sie sich gem. DSGVO damit einverstanden, dass Ihr Foto in den sozialen Medien im Internet und/oder auch in Printmedien veröffentlicht werden darf.

    Jetzt ist Kreativität und Einsatz gefragt, denn das Bild mit den meisten „Gefällt mir“-Angaben in Verbindung mit einer Spende wird an Silvester prämiert! Einsendeschluss für die Teilnahme an der Prämierung ist der 29.12.2020, 24.00 Uhr.

    Gespendet werden darf natürlich die „Startgebühr zur Fotostrecke“ von 10 Euro pro Person
    (oder auch jeder andere Betrag, Spendenquittung möglich), auch ohne Bild, auf das

    Spendenkonto „Seppl-Lauf“: IBAN AT84 2040 4000 4186 8498, BIC SBGSAT2SXXX

    oder auf der Spendenseite

    Gerne werden auch noch weitere Spenden über den Silvestertag hinaus, bis einschließlich 07. Jänner, dankend angenommen.

    Und hier sind die bereits geposteten Fotos

  • 2019

    Seppl-Lauf 2019 für Pauline

    Liebgewordene Tradition auch am diesjährigen Silvestertag in Hochburg-Ach.
    Der Erlös des diesjährigen Seppl-Lauf geht an ein junges Mädchen aus Tarsdorf.

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    von links nach rechts: Schwester Marlies, Vater Stephan, Paulina und Mutter Michaela

    Das Jahr 2019 soll auch dieses Jahr mit einer liebgewordenen Tradition, dem Seppl-Lauf in Hochburg-Ach enden. Der Lauf wurde vor neun Jahren für den Namensgeber Sepp Wurm initiiert, der aufgrund eines Arbeitsunfalls einen hohen Querschnitt erlitt. Der Erlös geht seither an in unverschuldet in Not geratene Menschen. Die diesjährigen Einnahmen kommen einem jungen Mädchen mit geistiger Beeinträchtigung aus Tarsdorf – und so erstmalig einem Kind – zu Gute.

    Im Mai 2013 können Michaela Sommerauer und Stephan Österbauer mit großer Freude ihre Tochter Paulina in den Armen halten. Sie kommt als vermeintlich gesundes Kind zur Welt. Der Alptraum einer wohl jeden Familie beginnt, als sich bereits sehr früh Entwicklungsverzögerungen zeigen oder Fortschritte zur Gänze ausbleiben. Mit 18 Monaten zeigten sich schon deutliche Unterschiede zu gleichaltrigen Kindern, die bis heute anhalten. Paulina ist zwar heute mit ihren sechs Jahren ein fröhliches Mädchen, hatte in ihrem jungen Leben jedoch keinen leichten Start und wird es auch immer schwerer haben als andere gleichaltrige. Viele „einfache“ Dinge des Alltags sind für sie und ihre Familie eine große Herausforderung.

    Aus mangelnder Feinmotorik, schlechter Konzentrationsfähigkeit, verschobener Körperwahrnehmung und verändertem Schmerzempfinden ergeben sich viele schwierige Situationen für die Eltern und zweiteTochter Marlies, die oftmals kräftezehrend sind und ein hohes Maß an Fürsorge, Empathie, Rücksicht und Geduld rund um die Uhr erfordern.

    Wie sich Paulinas Entwicklung in Zukunft gestaltet, kann niemand sagen. Die Eltern wollen sie gerade deshalb in allen Bereichen so gut es geht unterstützen. Mit den Spenden aus dem Benefizlauf soll mit einer Delfintherapie Paulina geholfen werden, sich künftig Schritt für Schritt vorwärts zu kämpfen, so dass sie vielleicht eines Tages ein geregeltes Leben führen kann.

    Am Dienstag, den 31.12.2019 fällt ab 11.00 Uhr der Startschuss am Naturfreundehaus in Ach. Die Startgebühr in Höhe von 10 Euro für die 5 km lange Route kann vor Ort entrichtet werden und ist gleichzeitig die Spende. Der Erlös kommt zu 100 % direkt bei Paulina an, so die Veranstalter Walter Kopp und Hermann Gasteiger.

    Auch dieses Jahr ist selbstverständlich wieder dabei sein alles! Willkommen ist jeder, ob laufen, walken, gehen oder einfach nur Spenden und Gutes tun. Das ehrenamtliche Organisationsteam um die Veranstalter sorgt in gewohnter Weise mit Glühwein, Glühmost, Getränken, Würstel und Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl. Ende der Veranstaltung ist 14.00 Uhr.

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  • 2018

    Seppl-Lauf 2018 - das Ergebnis

    Der Seppl-Lauf 2018 ist Geschichte. Trotz miserablem Wetter konnten wir über 1000 Teilnehmer begrüßen.
    Ein gigantischer Erfolg, den das Seppl-Lauf Team mit ca. 50 Mitarbeitern ermöglichte.

    Christoph und Lukas freuen sich über 15.706 €.

  • Seppl-Lauf 2018 für Christoph und Lukas

    Auch am diesjährigen Silvestertag findet der Seppl-Lauf in Hochburg-Ach statt.
    Erlös kommt zwei vom Schicksal getroffenen jungen Männern zu Gute.

    Die Naturfreunde Hochburg-Ach, Walter Kopp und Jack Gasteiger organisieren dieses Jahr zum 8. Mal den Seppl-Lauf für unverschuldet in Not geratene Menschen. Er wurde ursprünglich für den Namensgeber Sepp Wurm initiiert, der seit einem Arbeitsunfall vom Hals ab gelähmt ist. Die Organisatoren bringen mit ihrem Team jährlich mehrere hundert Teilnehmer an den Start. Erstmals geht der Erlös des Seppl-Laufs über die Grenzen Hochburg-Achs hinaus. Mit dem Geld werden zwei junge Männer individuell auf ihrem Genesungsweg unterstützt, deren Leben von einer Sekunde auf die andere aus den Fugen geraten ist.

    St. Johann am Walde: Ein fröhliches Dorffest, bei dem Jung und Alt zusammen kommen und auf das die Einheimischen so stolz sind. Dieses Fest sollte Schauplatz einer unvorhersehbaren Katastrophe werden. Ein plötzlich aufziehender Sturm riss am 18. August 2017 gegen 22.30 Uhr mit einer Böe das gesamte Festzelt des Frauscherecker Feuerwehrfestes nieder. Der Einsturz des Festzeltes kostete zwei Menschen das Leben und es wurden ca. 140 Personen verletzt. Unter den Schwerstverletzten befanden sich auch Christoph Berer und Lukas Hofer. An diesem Abend haben sich die Schicksale der beiden 22-jährigen Männer miteinander verwoben.

    Christoph (rechts im Bild) war seit dem frühen Abend im Festzelt hinter der Bar am arbeiten, als er plötzlich von einem herumwirbelnden Kühlschrank getroffen und auf ein umgestürztes Metallgestell geschleudert wurde. Er lag bewegungsunfähig mit einer großen Kopfwunde und zertrümmertem 4. Halswirbel mitten im Chaos. Nach zwei Monaten auf der Intensivstation und anschließender Reha sitzt er nun im Rollstuhl. Entgegen aller Prognosen hat er sich wieder ins Leben zurück gekämpft. Er kann wieder selbständig atmen, essen, sprechen und auch seine Arme wieder bewegen. Die Genesung geht sehr langsam voran, aber „aus ganz kleinen Schritten wird auch irgendwann ein Großer“, so Christoph.

    Lukas (links im Bild) war an besagtem Abend mit ein paar Freunden verabredet. Als sie sich gemeinsam an einen Tisch gesetzt hatten wurde er von einem Gegenstand schwer am Kopf getroffen. Erinnern kann er sich erst viel später an das Unglück. Er zog sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und eine Mittelgesichtsfraktur zu. Auch er verbrachte viele Wochen im Krankenhaus und musste sich dort diversen Kopf- und Gesichtsoperationen unterziehen. Nach erfolgter Reha leidet auch er nun an den Folgeschäden des Unglücks. Sein Sehvermögen liegt links unter 10% und die schweren Gehirnverletzungen ziehen bisher epileptische Anfälle nach sich. Wenn es der Heilungsprozess zulässt ist für ihn eine Langzeitreha in Gallspach geplant.

    Am Montag, den 31.12.18, ab 11.00 Uhr startet der Seppl-Lauf in gewohnter Weise am Naturfreundehaus in Ach. Die Anmeldung für den 5 km langen Benefizlauf erfolgt vor Ort. Die Startgebühr von 10 Euro ist gleichzeitig die Spende der Teilnehmer. Bei diesem besonderen Benefizlauf geht es natürlich nicht um Geschwindigkeit oder Bestzeiten, sondern dabei sein ist hier alles. Spenden darf natürlich aber jeder, ob er läuft, geht, oder eben an diesem Tag nur Gutes tun möchte. Für das leibliche Wohl werden Gulaschsuppe, Gemüsesuppe, Glühwein, Glühmost, Kaffee und Kuchen angeboten. Ende der Veranstaltung ist 14.00 Uhr.

  • 2017

    Seppl-Lauf 2017 - das Ergebnis

    Maria und das gesamte Seppl-Lauf-Team bedanken sich bei ca.1.300 Teilnehmern für die große Hilfsbereitschaft.

     

  • Seppl-Lauf 2017 für Maria

    An Silvester findet wieder der Benefizlauf in Hochburg-Ach statt
    Einnahmen kommen einer in Not geratenen Österreicherin zu Gute

    Hochburg-Ach. „Es sollte ein lustiges, gemütliches Wochenende mit den Geschwistern und Partnern von Hubert werden. Doch alles kam anders...“ So beginnt Maria Kaufleitner ihre Geschichte. Sie ist die Hauptfigur des diesjährigen Seppl-Laufs, der schon zum siebten Mal an Silvester in Hochburg-Ach stattfindet. Bei dem Lauf über fünf Kilometer geht es nicht um großartige sportliche Leistungen, sondern darum, zu helfen: in diesem Jahr der 53-jährigen Hochburg-Acherin Maria Kaufleitner.

    Diese musste nicht nur im September den Tod ihres Mannes bei einem Ausflug nach Ungarn meistern, sondern auch die folgende bürokratische Odyssee und die hohen Kosten der Überführung des Leichnahms aus dem Ausland. Ihr Mann, Hubert (55), war seit vielen Jahren schon schwer lungenkrank. Er hatte wegen seiner Sarkoidose bereits zwei Lungentransplantationen hinter sich und um das Ehepaar Kaufleitner und die vier Kinder zu unterstützen, gingen die Einnahmen und Spenden beim Seppl-Lauf vor vier Jahren an Hubert Kaufleitner. Das Haus musste damals behindertengerecht umgebaut werden, Hubert war berufsunfähig, Maria mit ihrem Einkommen als Mesnerin quasi Alleinverdienerin in der Familie. Beim diesjährigen Lauf geht es nun um die verwitwete Maria Kaufleitner.

    Denn die kann Unterstützung sehr gut gebrauchen, weiß Herrmann Gasteiger, der gemeinsam mit seinem Freund Walter Kopp den Seppl-Lauf 2010 ins Leben gerufen hat. Damals für seinen Bruder, den Sepp, der nach einem Arbeitsunfall vom Hals an gelähmt ist. Gasteiger und Kopp suchen nun Jahr für Jahr einen Menschen in Hochburg-Ach, der unverschuldet in Not geraten ist – und sie bringen bis zu 1200 Läufer dazu, diesem einen Mitmenschen zu helfen. In finanzieller Hinsicht mit Spenden, aber nicht nur: „Es entsteht eine unglaubliche Energie an diesem Tag“, sagt Gasteiger. „Wenn derjenige, um den es geht, sieht, wie viele Leute da nur wegen ihm gekommen sind – das gibt unglaublichen Auftrieb.“

    Das soll auch Maria Kaufleitner zuteil werden. Am Sonntag, 31. Dezember, ab 11 Uhr startet der Seppl-Lauf über fünf Kilometer am Naturfreunde-Haus in Ach. Anmeldung nur vor Ort. Ende des Laufs ist um 14 Uhr. Die 10 Euro Startgebühr sind gleichzeitig die Spende der Teilnehmer. Spenden darf aber natürlich jeder, ob er läuft oder nicht. Mitlaufen (oder gehen) kann jeder, es geht nicht um Geschwindigkeit. Es gibt Glühwein und Punsch, Kaffee, Kuchen und Bratwürstl.

    Burghauser Anzeiger / Schönstetter

    „Meine unfassbare Geschichte“


    Meine unfassbare Geschichte. Das ist die Überschrift, die Maria Kaufleitner über ihre Geschichte schreibt. Und die formuliert sie in der Seppl-Lauf-Tradition selbst:

    „Hubert ging es nach seiner zweiten Lungentransplantation im April 2016 bestens. Er war wieder fit und aktiv, er genoss sein drittes Leben in vollen Zügen. So war es auch beim Ausflug der ’Reithgassner-Kinder’ nach Heiligenkreuz im Burgenland, inklusive eines Tagesausflugs nach Ungarn in die Stadt Szombathely. Hubert ging es nach morgendlichen Problemen mit Schmerzen am Brustbein und Blutspucken wieder gut und alle zusammen starteten wir nach Ungarn. Für Hubert war ein Spaziergang an diesem Tag zu anstrengend. Deshalb machte er es sich in einem Gastgarten gemütlich, bis es retour Richtung Österreich ging.

    Huberts Schmerzen am Brustbein machten ihm wieder zu schaffen. Es ging ihm nicht gut. Nach einigen Kilometern mussten wir stoppen, Hubert musste erbrechen. Nach einer Weile setzten wir die Fahrt fort, ich schon mit dem Gedanken, ein Krankenhaus aufzusuchen, sobald wir über der Grenze sind. Gerade mal losgefahren, stoppten wir erneut. Aus Huberts Mund und Nase kam bereits blutiger Schaum und er war nicht mehr ansprechbar. Trotz sofort eingeleiteter Reanimation durch die Geschwister und die über Euro-Notruf verständigte Rettung und Notarzt kam jede Hilfe zu spät.

    In einer trostlosen Landschaft auf der Straße ohne Namen endete Huberts Lebensreise. Meine Horrorreise begann genau an diesem Punkt.

    Durch Zufall wurde Veronika, eine Lehrerin aus Bozsok, informiert, sie möge doch bitte an die Unglücksstelle kommen um zu dolmetschen. Nach einer Weile kam ein Bestattungsunternehmen, um Hubert abzuholen. Würdevoll ist anders. Auf die Nachfrage, wohin man ihn bringe und ob wir noch zu ihm dürfen, wurde mir mitgeteilt, dass er in ein Leichenhaus nach Szombathely gebracht wird. Er sei von nun an bis Montag unter Verschluss, bis ein Arzt zur Totenbeschau kommt. Weder die Polizei noch sonst jemand erkundigte sich nach meinen Daten. Ich stand am Straßenrand ohne Information, an wen ich mich wenden könne. Wir beschlossen, noch am selben Abend die Heimreise anzutreten – ohne Hubert.

    Nach dem ersten Schock begann dann am Montag zu Hause der behördliche Wahnsinn. Es startete der erste Telefonmarathon: Erst das Konsulat, hier wurde uns in gebrochenem Deutsch mitgeteilt, dass man uns nicht helfen könne. Dann das Auswärtige Amt in Wien, bis wir bei der österreichischen Botschaft in Budapest landeten. Dort wurde uns erklärt, dass alles normal ablaufe, wie in jedem EU-Land, die üblichen Formulare auszufüllen sind und für die Überführung ein Zinnsarg verwendet werden muss.

    Am Dienstagnachmittag erhielten wir den Anruf, dass Hubert endlich freigegeben ist. Mit dem Bestattungsunternehmen plante ich für Donnerstag die Fahrt, um Hubert nach Hause zu holen. Am Mittwochmorgen ein Anruf von unserer Dolmetscherin Veronika: Wir benötigen eine amtliche Bestätigung der Wohnadresse von Hubert und weitere Unterlagen. Wir erkundigten uns am Mittwoch am Gemeindeamt, was zu tun ist, wenn die Sterbeurkunde in ungarischer Sprache verfasst ist. Wer ist gerichtlich beeidet, die für Österreich gültige Übersetzung durchzuführen?

    Dann der nächste Dämpfer: Alle Urkunden müssen vor Ort ins Ungarische übersetzt werden. Mindestdauer: drei Werktage. Das bedeutete, wir könnten frühestens am Montag am Amt in Ungarn alles erledigen. Zudem ist es in Österreich Gesetz, dass ein Verstorbener innerhalb von zehn Tagen beerdigt oder verbrannt werden muss. Die Zeit lief, wir wollten uns doch zu Hause von einem Sarg verabschieden und Hubert nicht in Ungarn verbrennen lassen.

    Verzweifelt riefen wir erneut in der Botschaft in Budapest an. Dann die Info, wir könnten Hubert nun doch holen, jedoch erhalten wir keine Formulare, diese dauern eine Woche. Um Fassung bemüht, erklärten wir ihnen, dass der Bestatter nicht ohne Totenschein über die Grenze fahren darf. Nach längerem Hin und Her erreichte uns die positive Nachricht, dass die Formulare fertig gestellt werden und wir Hubert über die Grenze holen können.

    Mit ziemlich viel Bauchweh starteten wir am Donnerstag um 4 Uhr früh. Um 9.30 Uhr trafen wir am Friedhof in Szombathely ein, wo uns Veronika bereits erwartete. Nach der Begutachtung des Fahrzeuges sowie der mitgebrachten Särge, der Dokumente und nach Bezahlung der bereits entstanden Kosten durften wir endlich in die Kühlung, zu Hubert. Wir durften ihn waschen, ankleiden und in den Zinnsarg umbetten. Dann mussten wir den Zinnsarg verplomben, ehe wir ihn in den Holzsarg für den Transport geben konnten. Wer glaubt, dass dies bereits der größte Teil an Formalitäten war, irrt sich. Nächster Halt: das Amt in Velem.

    Die Dokumente wurden kopiert, meine Daten aufgenommen und in vielfacher Weise dokumentiert. Noch nie in meinem Leben musste ich so viel unterschreiben. Ich wusste nicht einmal, worum es sich im Detail handelte. Danach ging es weiter zum Gesundheitsamt. Auch hier wurde nochmals alles genauestens kontrolliert, der Fahrer, das Bestattungsunternehmen, das Auto, die beiden Särge und die Kühlung des Fahrzeuges. Nach diesem Kontrollgang wurden uns die erforderlichen Dokumente übergeben und wir konnten endlich losfahren.

    Um 17.30 Uhr überquerten wir den vorgeschriebenen Grenzübergang. Uns fiel ein Stein vom Herzen, jetzt hatten wir es geschafft! Hubert war endlich wieder in Österreich! Voller Erleichterung und nach 960 Kilometern waren wir mit Hubert wieder zu Hause. Nun konnten wir das Rosenkranzbeten und das Requiem mit Urnenbeisetzung vorbereiten. So wie Hubert es sich immer gewünscht hat.

    Am Freitag mussten wir uns erneut mit den Behörden in Verbindung setzen, um die Angelegenheit bezüglich der Sterbeurkunde und des Totenscheins zu klären, da ja alle Dokumente auf Ungarisch waren. Nach eineinhalb Wochen, endlosen Telefonaten und behördlichen Hürden konnten ich und meine Familie uns erst mit der Trauer und dem Begräbnis auseinandersetzen.

    Ich wünsche keinem, dass er das durchmachen muss, was wir in dieser Zeit erlebt und mitgemacht haben. Man glaubt kaum, welche Hürden man zu bewältigen hat, wenn man nur ein paar Kilometer über der Grenze ist!“

  • 2016

    Seppl-Lauf 2016 für Kerstin

    „Der Tag, der mein Leben veränderte...“

    Mein Name ist Kerstin L. und bin 34 Jahre alt. Eine meiner Freundinnen erzählt hier nun meine Geschichte, da ich es leider noch nicht selbst kann...

    Gerade mal ein Jahr im neuen Haus, frisch verlobt und glücklich über beide Ohren sollte unser gemeinsames Leben nun beginnen. Bis der 3. Februar 2016 meine ganze Welt zum Einstürzen brachte...

    Am Abend des 3. Februar wurde ich mit Eiltempo ins Krankenhaus gebracht, da ich von einer Minute auf die andere massive Sprachstörungen hatte. Glücklicherweise alarmierte mein Verlobter sofort die Rettung. Ansonsten wäre ich heute nicht mehr am Leben.

    Diagnose: Schlaganfall und Gehirnblutung

    Mein Sprachzentrum wurde dabei stark betroffen. Die ersten Tage war nicht sicher, ob ich es überhaupt überleben würde, da die Ärzte den Schlaganfall und die Gehirnblutung zeitgleich behandeln mussten. Einerseits mussten sie den Thrombus auflösen und andererseits die Gehirnblutung stoppen. Die Möglichkeit einer Not-OP war nicht gegeben, da die Stelle inoperabel war. Mein Leben hing quasi "am seidenen Faden".

    Nach 5 Tagen gab es endlich Entwarnung. Ich war "über den Berg". Jedoch konnte keiner sagen, ob überhaupt oder in wie weit sich mein Gehirn wieder regenerieren würde.

    In den ersten Tagen war mein Gehirn mit allem was ich sah oder hörte einfach nur "überfordert" und reagierte nur sehr langsam.

    Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich, dies wäre mein größtes Problem. Deshalb dachte ich anfangs, ich würde mich einfach nur etwas schwer tun, die Wörter beim Sprechen rauszubringen.

    Aber desto "klarer" es in meinem Kopf wurde, wurde mir Tag um Tag bewusster, welche Defizite ich plötzlich hatte. Denn meine Logik und die Erinnerungen waren komplett intakt. Ich wusste also ganz genau was ich vor dem Schlaganfall alles konnte.

    Genau deshalb war mir sehr schnell klar: Ich hatte meine eigene Muttersprache "verloren". Denn das "Bla Bla", das aus meinem Mund rauskam, konnte keiner verstehen. Die Wörter existierten nicht. Und in meinem Kopf waren die reellen Wörter nicht mehr vorhanden!

    Umgekehrt war es auch nicht viel anders. Wenn mein Gehirn mal ein oder zwei Wörter eines ganzen Satzes bewusst wahrnehmen konnte, wusste ich zwar ganz genau, dass diese Wörter zu meiner Muttersprache gehörten, aber ich keinerlei Ahnung hatte, was sie bedeuteten. Da war einfach nichts mehr drin in meinem Kopf!!! Nun wusste ich wie sich "gähnende Leere" anfühlt...!!!

    So richtig bewusst wurde mir die Sache erst, als der Pfleger beim Frühstück meinte: "Kaffee oder Tee?" Ich hatte die beiden Wörter einerseits bewusst wahrgenommen und war mir auch zu 100 % sicher, dass ich die Wörter früher jeden Tag x-mal hörte und auch selbst verwendete, aber gleichzeitig hatte ich einfach keine Ahnung mehr, was sie bedeuten. Und nicht einmal, obwohl mein Frühstück direkt vor mir stand, meine Tasse noch leer war und der Pfleger mit zwei Thermoskannen vor mir stand...

    Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sobald ich einen Punkt einigermaßen "verkraftet" hatte, bereits das nächste Stück meines Kartenhauses einstürzte. Denn ziemlich schnell musste ich realisieren, dass sich nicht nur das Sprechen und Zuhören verabschiedet hatten.

    Lesen und Schreiben waren natürlich genauso betroffen. Wie sollte ich nun mit den Mitmenschen kommunizieren? Ich fühlte mich wie "im eigenen Körper eingesperrt"! Das schlimme waren die damit verbundenen Ängste, die immer größer wurden, umso klarer ich alles mitbekam. Ich konnte mich immer mehr erinnern, welche Pläne wir hatten. Wir wollten doch heiraten und eine Familie gründen. Was sollte daraus werden, wenn ich nicht mehr gesund werden sollte? Man kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie sich das anfühlt. Der Scherbenhaufen, der vor mir lag, wurde täglich immer größer.

    Und als hätte all das nicht schon ausgereicht, kam noch auf, dass auch meine Fähigkeit, Tätigkeiten in einer logischen Reihenfolge nacheinander zu erledigen, stark beeinträchtigt war. Ich musste mich extrem konzentrieren, wenn ich mir nur einen Kaffee aus der Stations-Küche holen wollte. Da mich die Eindrücke auf dem Weg bis zur Küche so aus dem Konzept brachten, wusste ich, als ich in der Küche ankam, oft gar nicht mehr, was ich dort eigentlich wollte. Und wenn ich meine Konzentration dann wieder hatte und wusste was ich machen wollte, brauchte es trotzdem oft einige Zeit, bis ich endlich meinen Kaffee mit ins Zimmer nehmen konnte. Die automatische Reihenfolge, zuerst eine Tasse aus dem Regal zu nehmen, diese dann unter den Ausguss der Maschine zu stellen und dann erst den Startknopf der Maschine zu drücken, war für mich mit unglaublicher Konzentration verbunden. Für einen jeden anderen eine Selbstverständlichkeit...

    Man kann sich vorstellen, warum mein Körper ständig ausgepowert war. Denn all die Konzentration, die ich für die noch so kleinsten Kleinigkeiten brauchte, raubte meinem Körper unglaublich viel an Energie.

    Angst vor der Zukunft war mein ständiger Begleiter. Nicht, dass ich sterben könnte, wenn ich so etwas nochmals bekäme. Nein, ich hatte viel größere Angst, mein restliches Leben in meinem Körper "eingesperrt" zu sein ohne einer Möglichkeit meine Bedürfnisse oder Gefühle mitzuteilen, gleichzeitig aber alles voll mitzubekommen. Ich war doch erst 34 Jahre und außer den Folgeschäden meines Schlaganfalls ansonsten gesund. Eine wahrlich "lange" Hölle, die ich womöglich durchleiden musste!

    Mit dieser Erkenntnis hatte ich ziemlich schnell den Punkt erreicht, den Herrgott vor dem Schlafengehen zu bitten, doch Erbarmen für mich zu haben und mich einfach zu erlösen, wenn er nicht vorhätte meinen Zustand irgendwann wieder zu verbessern...

    Ich war noch nie ein Mensch, der jeden Sonntag in die Kirche ging. Mir war es immer wichtiger, meinen Mitmenschen im Alltag zu helfen. Das war einfach meine Art von "gläubig zu sein". Und mir war immer schon klar, dass wir Menschen nicht unser Leben komplett in der Hand haben, sondern dass über uns alle eine größere Macht steht, die eigentlich die Fäden in unserem Leben zieht. Und jetzt war der Zeitpunkt gekommen, meine Zukunft in diese Hand zu legen und einfach nur zu hoffen...

    Im Nachhinein gesehen war diese Entscheidung unglaublich wichtig für meine zukünftige Lebenseinstellung und auch meine Genesung. Als ich in der nächsten Zeit nämlich erste minimale Erfolge der Therapien wahrnahm, wurde mir etwas Grundlegendes klar: Wenn der Herrgott mich nicht durch den Schlaganfall sterben ließ und mir jetzt sogar noch zeigte, dass meine Genesung begann, dann hatte dies alles hier einen bestimmten Grund und ich sollte vermutlich dadurch einfach etwas für mein Leben lernen. Und dass ich die Chance, womöglich wieder gesund zu werden, unbedingt nutzen musste! Egal wieviel Energie ich dazu bräuchte, egal wie lange es dauerte und egal wie viel Schmerz ich dabei noch ertragen musste, es war mir es wert!!!

    Ich hatte endlich meine Stärke zurück und meine unglaubliche Willenskraft. Ich kämpfte mich wie eine Löwin durch meine Therapien und die immer wieder auftretenden verschiedensten Ängste – und von diesen gab es unzählige. Mein Weg war ein Ab und Auf. Erfolge und Rückschläge wechselten sich stetig ab. Oft hatte ich das Gefühl, ich hätte doch nicht mehr ausreichend Kraft um diese unbeschreiblich kräftezehrende und langwierige Zeit durchzustehen und würde daran zerbrechen. Noch dazu habe ich auch heute noch keine Ahnung, ob ich jemals wieder vollkommen gesund werde bzw. wie lange dies dauern wird. Weder Ärzte noch Therapeuten können einem so etwas beantworten. Nur die Zeit kann einem die Antwort zeigen...

    Wenn man mir als Außenstehender zwar jetzt – fast ein Jahr nach dem Schlaganfall – beim Sprechen kaum mehr etwas ankennt, kommt es davon, dass es mir so wichtig ist, am Leben so gut wie möglich teilzunehmen und ich dafür meine ganze Konzentration und Energie zum Sprechen mit meinen Mitmenschen aufwende. Dass mir nach wie vor das Sprechen und Zuhören unglaublich viel Kraft kostet, zeigt sich jeden Tag, wenn ich mich danach zu Hause wieder hinlegen muss, da mein Kopf und mein ganzer Körper von diesem "Kraftaufwand" seine Pause braucht.

    Man kann sich jetzt sicher gut vorstellen, dass ich nach wie vor noch eine Unmenge an Defiziten habe.

    Meinen alltäglichen Haushalt kann ich wirklich gut ohne Hilfe bestreiten und ich bin sehr froh darüber. Schwieriger wird es dann bei Tätigkeiten, die ein gewisses Maß an Planung und Organisation bedürfen. Eine Einkaufsliste für die nächsten Tage zu erstellen oder das Kochen einer einfachen Hauptspeise mit mehreren Beilagen, die alle zur gleichen Zeit fertig sein sollen. Lauter Sachen, die für andere "selbstverständlich" sind, braucht bei mir eine unvorstellbare Konzentration und Energie. Oft ist es schon passiert, dass ich nach dem Kochen gar nichts mehr essen konnte, weil ich so "fertig" war vom "Denkprozess" beim Kochen selbst.

    Ähnlich fertig bin ich, wenn mir jemand etwas erklären möchte. Bei alltäglichem "Plaudern" über "Gott und die Welt" zuzuhören, ist nicht ganz so schwierig, weil man sich dabei oftmals "ausklinken" kann, wenn der Kopf nicht mehr mitkommt. Bei genaueren Erklärungen jedoch bringt mein Gehirn es oft nicht mal auf die Reihe, sich das Erklärte überhaupt vorstellen zu können. Geschweige denn noch folgen zu können. Wenn das Ganze dann noch am Telefon passiert, habe ich gar keine Chance mehr etwas zu verstehen, da ich mich zusätzlich noch darauf konzentrieren muss, mich nicht von äußeren Einflüssen aus dem Konzept bringen zu lassen, da ich den Sprecher nicht mal sehe.

    Wieviel Konzentration und Energie dann mein Kopf für Lesen und Schreiben benötigt, glaube ich brauche ich nicht detailliert erklären. Ich kann glücklicherweise mittlerweile wieder lesen und schreiben an sich. Einzelne Sätze sind okay. Aber kleine Absätze mit mehreren zusammenhängenden Sätzen werden schon schwierig.

    Ob und wann ich wieder mal arbeiten kann bzw. ob es jemals wieder fürs Büro reicht, steht in den Sternen. Darüber nachdenken, dass ich mal mit einem 1er-Durchschnitt meine Matura absolviert hatte und nun womöglich nie mehr über den Stand eines Kindes rauskomme, darf ich nicht!!!

    Aber eines ist mir klar: Solange allein schon mein Alltag meine komplette vorhandene Konzentration und Energie verschlingt, bin ich davon überzeugt, es ist zu früh sich darüber Gedanken zu machen. Auch wenn ich mir ab und zu vorkomme, als wäre ich ein Sozialfall, weil ich noch so jung bin und seit dem Schlaganfall nicht mehr arbeiten konnte. Wie ich auf solche "wahnwitzigen Überlegungen" komme? Ganz einfach. Es gab bereits ziemlich bald Menschen in meinem Leben, die grinsend meinten: "Na, dann musst du halt jetzt etwas arbeiten, das ’unter deiner Würde’ ist. Denn nur, weil dein Kopf nicht so richtig funktioniert, heißt das nicht, dass du nicht gleich mal wieder arbeiten kannst. Du hast ja schließlich gesunde Hände und Füße." Man kann sich nicht vorstellen, wie einen so etwas trifft. Als wäre meine Situation nicht schon schlimm genug gewesen. Aber mit der Zeit habe ich daraus etwas ganz Wichtiges, das mir niemand mehr nehmen kann, gelernt. Solche Menschen tauchen immer wieder in unserem Leben auf. Sie haben einfach kein Hirn, reden nur, damit das Mundwerk etwas zu tun hat und es kratzt sie nicht, wie es dem anderen dabei geht. Aber von solchen stumpfsinnigen Leuten werde ich mir nie wieder etwas einreden lassen! Aber wie sagt man so schön: "Was einen nicht umbringt, macht einen nur härter!" Und das Wichtigste ist meine Genesung!!! Und darin lege ich weiterhin meine ganze Energie...

    Aber nun weg von den negativen Gedanken. Ich hätte niemals gedacht, dass ich jemals an den Punkt kommen würde, mit Freude täglich Sport zu treiben. Aber ich habe dank meiner Therapeuten schnell gelernt, wie viel meinem Kopf täglicher Sport – kombiniert mit ausreichenden Ruhepausen – bei meiner Regenerierung bringt. Mein Kopf braucht einfach im Alltag so viel mehr Konzentration und dadurch Energie als bei gesunden Menschen. Und bei Sport und Ruhepausen kann er wieder "abschalten und auftanken".

    Heute kann ich sagen: "Ich habe aus dem Ganzen so viel Positives für mein Leben gelernt, was ich ohne den Schlaganfall womöglich niemals getan hätte."
    • Die Erkenntnis, dass der eiserne Wille etwas zu verändern viel bewirken kann. Wie sagt man so schön: "Der Wille kann Berge versetzen".
    • Mein Urvertrauen, das mir zeigt, dass sich oftmals viele unlösbare Situationen nach einiger Zeit von selbst lösen oder einem andere Sichtweisen aufzeigen. Beziehungsweise daran glauben zu können, dass mein Leben gelenkt wird und sich vieles, das auf den ersten Blick unvorstellbar grausam erscheint, einen tieferen Grund hat, den man oft erst viel später erkennen kann.
    • Das Bewusstsein für die kleinen schönen Dinge im Leben, die das Leben erst lebenswert machen. Wie sich einfach nur mit den Liebsten zusammenzusetzen und einfach zu genießen sich gegenseitig zu haben oder ein Buch in die Hand zu nehmen und zu genießen, zumindest wieder ein klein wenig darin lesen zu können. Denn alles was wir für "selbstverständlich" ansehen, könnte plötzlich ganz anders sein...!
    • Die Erkenntnis, dass unzählige Menschen ein viel schlimmeres Schicksal erlitten haben als man selbst. Und sich klar zu machen, was man trotz aller Einschränkungen doch noch machen kann.

    2016_Kerstin_01

    Natürlich habe ich immer wieder Angst vor der Zukunft und das kann ich auch nicht einfach mit einem Fingerschnips wegbringen. Aber meine neue Lebenseinstellung ermöglicht mir immer mehr mit dem eigenen Schicksal umzugehen und vor allem trotzdem ein zufriedenes und glückliches Leben führen zu können!

    Aber eines ist ganz sicher: Ohne den unermüdlichen Beistand meines Mannes und meiner Familie wäre ich vermutlich an meiner Erkrankung zerbrochen! Sie waren immer für mich da und gaben mir so viel Kraft, das alles durchzustehen! Das schönste Geschenk bekam ich allerdings von meinem Mann, als er von der ersten Minute nach dem Schlaganfall hinter meiner Entscheidung stand, die Hochzeit nicht zu verschieben. Er glaubte fest an mich und wusste, ich hätte die nötige Kraft und den Willen meine Ziele zu erreichen.

    Ärzte und Therapeuten sind sich nach wie vor einig, dass mir die bevorstehende Hochzeit unglaublich bei meiner Genesung geholfen hatte. Denn ich hatte dadurch ein genaues Ziel, das ich bis zu einem fixen Datum erreichen musste. Und dazu noch einen eisernen Willen es zu schaffen. Ohne all das wäre ich niemals in dieser kurzen Zeit so weit gekommen...

  • 2015

    Seppl-Lauf 2015 für Melanie

    „Manchmal schlägt das Leben unerwartete Wege ein“ 

    Melanie Sterz schreibt über ihre Krebserkrankung und ihre Erfahrungen während der Therapie

    von Melanie Sterz (geb. Auer)
    Als bei mir am 24. März 2015 Leukämie diagnostiziert wurde, brach für mich und für meine Familie die Welt zusammen. Dabei fing alles mit einem harmlosen Fieber an, das sich allerdings von Tag zu Tag steigerte. Zwei Wochen Fieber, nicht nur ich war ratlos, sondern auch die Ärzte. Bis mich eines Nachts unendlich starke Schmerzen am Rücken aus dem Schlaf rissen. Ein Privatarzt aus Salzburg stellte in Folge einen Abszess fest, der auf schnellstem Wege entfernt werden musste. Eine Blutuntersuchung im LKH Salzburg brachte schließlich das niederschmetternde Ergebnis.
    Mein Name ist Melanie Sterz, bin 33 Jahre alt und Mutter einer neunjährigen Tochter, Selina. Einst eine leidenschaftliche Sportlerin, jetzt eine leidenschaftliche Mutter, die für sich und ihre Familie um ihr Leben kämpft. Die Hoffnung auf eine Viruserkrankung verblasste, denn der Verdacht auf Leukämie hat sich mit meiner Frage an die Ärztin „Hab ich’s?“ bestätigt. Puh, was nun?

    Diese Diagnose veränderte schlagartig mein Leben. Diesen Augenblick, als meine Mutter und ich voller Hoffnung die Ärztin anblickten, sie jedoch nickte und sagte, „... ich habe leider keine besseren Nachrichten für dich“, werde ich nie in meinem Leben vergessen. Soviel Verzweiflung und Hilflosigkeit in einem Zimmer, so viele Tränen, es war schrecklich! Demzufolge wurde ich schließlich in die Aplasie-Station (Station für Blutkrebserkrankung) gebracht. Sowohl Ärzte und Krankenschwestern als auch die Besucher liefen mit Mänteln, Mundschutz, Haube und Handschuhen herum. Jegliche Berührungen mit der Familie wurden mir untersagt, jeglicher Kontakt mit meinem Kind verboten. Denn die Ansteckungsgefahr für mich war viel zu hoch. All das konnte ich mit der Zeit erdulden, jedoch kaum zu verkraften war für mich die völlige Isolation von meiner Tochter. Selina durfte diese Station zu keinem Zeitpunkt betreten, Kindern unter zwölf Jahren ist der Besuch definitiv nicht gestattet! Ein weiterer Tiefschlag, als ob die Diagnose alleine nicht schon gereicht hätte.

    Zehn Wochen lang versuchte ich mir in einem Zweibettzimmer ein kleines Zuhause aufzubauen. Zehn Wochen lang erhielt ich die notwendigen Chemos, völlig isoliert von der Außenwelt. Und zehn Wochen lang hatte ich keinen direkten Kontakt mit meiner Tochter – die härteste Zeit meines Lebens! Selina war während dieser Zeit das für mich wohl tapferste Kind der Welt, ich bin so stolz auf sie! Sie war mein Motor, der mir die Kraft zu kämpfen gab!

    Der lange Aufenthalt hatte zum Glück nicht nur Schattenseiten. Es bildeten sich starke Freundschaften mit Patientinnen, wir spielten UNO oder setzten uns gemeinsam auf den Hometrainer, um fit zu bleiben. Wir alle krempelten unsere Ärmel hoch und begannen zu kämpfen. Es bildeten sich zudem auch tolle Freundschaften mit dem Pflegepersonal. Der anfangs gezeichnete Weg der Verzweiflung veränderte sich und aus Verzweiflung wurde Mut und Zuversicht. Probleme, über die man zuhause noch sinnlos diskutieren würde, wurden plötzlich klitzeklein. Ich konzentrierte mich fortan auf die wesentlichen Dinge, auf meinen Körper, auf meine Gesundheit, auf Freunde und Familie. Selbst die Nebenwirkungen von den Chemos, wie beispielsweise der Haarausfall, der mir sichtlich Angst bereitete, konnten meinen starken Willen, „gesund zu werden“, nicht bremsen.

    Alles schien perfekt zu laufen, ich durfte wieder nach Hause und bekam die weiteren Chemos entweder während kurzer, stationärer Aufenthalte oder ambulant. Bis zum 3. Oktober 2015. Das Blatt wendete sich nach der letzten Chemotherapie rasant. Ich wurde mit dem Rettungsauto aufgrund starker Bauchschmerzen und sehr niedrigem Blutdruck auf schnellstem Weg zurück ins LKH nach Salzburg gebracht. Was danach geschah? Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Als ich aufwachte, waren zweieinhalb Wochen vergangen. Ich erfuhr von meiner Familie, dass ich einige Tage auf der Intensivstation lag, danach wieder in die Aplasie-Station kam. Mein Leben hing am seidenen Faden. Eine starke Magen- und Darmentzündung, gekoppelt mit einer Blutvergiftung und einer schweren Lungenentzündung, stellten meinen Körper auf eine harte Probe. Tägliches Hoffen und Bangen begleiteten sowohl meine Familie, Freunde, Ärzte als auch das Krankenhauspersonal.

    Mit jedem Tag stiegen meine Abwehrkräfte, bis schließlich die Entzündungen zurückgingen und mein Darm wieder anfing zu arbeiten. Als ich wieder bei völligem Bewusstsein war, stelle ich fest, dass ich meine gesamte Muskelkraft verloren hatte. Ich war schrecklich hilflos, denn selbst das Gehen wurde für mich zu einer neuen und anstrengenden Aufgabe. Nichtsdestotrotz habe ich den Kampf ums Überleben gewonnen. Es dauerte eine Weile, bis ich mich wieder erholt hatte. Aber die Freude auf zuhause, meine Tochter Selina endlich wieder in den Arm nehmen zu können, war so groß, dass ich selbst das Hindernis der anfänglichen Schwäche überwunden habe!

    Bis mein Körper wieder fit war, nahm ich eine kleine Pause von den Therapien. Im Dezember geht es dann weiter. Wie lange die Therapien noch dauern, das ist ungewiss. Jeder Körper ist verschieden, hierfür gibt es keine genau definierte Therapiezeit. Die Zeit wird es mir sagen.

    Ob ich Angst habe? Mit jeder Minute. Aber wie schon als junge und leidenschaftliche Schirennläuferin damals, weiß ich auch heute, wo mein Ziel liegt und wie ich dort mit Unterstützung meines Teams – Ärzte, Familie und Freunde – am besten hinkomme! Ich bin zuversichtlich und werde weiterkämpfen. Hoffnung, Mut, Zuversicht, Zeit und das notwendige Glück auf meiner Seite werden mich auf den Weg zurückbringen, wieder hundertprozentig gesund zu werden.

  • 2014

    Seppl-Lauf 2014 für Herbert

    Alle für einen

    Von Herbert Friesenecker alias Lukas Kaahs

    November 2014: Nun wurde ich also erwählt. Auserwählt. Auserkoren sozusagen. Dafür bestimmt, Gutes zu erfahren. Ausgesucht, um Zuwendung, Hilfe, Unterstützung, ja vielleicht sogar eine gewisse Zuneigung vieler Menschen hautnah zu erleben. Welch eine Lebenserfahrung für jemanden, der bislang überwiegend als Einzelgänger und -kämpfer durchs Leben pilgerte!

    Worum es geht? Um den Seppl-Lauf, der seit drei Jahren immer am Silvestertag (31. Dezember) beim Naturfreundehaus in Ach stattfindet und dessen Erlös einem hilfsbedürftigen Menschen im Nahbereich der Gemeinde Hochburg-Ach zur Verfügung gestellt wird. Eine Benefiz-Aktion also, bei der das halbe Dorf auf den Beinen ist und an der immer mehr auch die Überackerer und Burghauser Nachbarn teilnehmen. Menschen und Organisationen begehen bzw. generieren gemeinsam ein Ereignis, um einem einzelnen Mitbürger, der gesundheitlich in Not geraten ist, das Leben zu erleichtern und mithelfen, dessen erhebliche Genesungskosten zu tragen. Welch grandiose Idee! Aber auch: Welch ein Zwiespalt für denjenigen, dem dies alles gewidmet werden soll und von dem nun erwartet wird, seine Bedürftigkeit und Not einer breiten Öffentlichkeit zu offenbaren.

    Eines freitagabends rief mich ein wildfremder Mann an, stellte sich vor mit „Jack Gasteiger“ und fragte, ob er mir ein Angebot eröffnen dürfe. Völlig verdutzt stimmte ich zu und erfuhr zu meiner Verwunderung von oben erwähntem „Seppl-Lauf“, – und dass der Erlös der diesjährigen Aktion MIR zugutekommen sollte, falls ich das „erlaube“. Bedingung wäre lediglich, dass ich mein „Schicksal“ veröffentlichen würde, also diverse Medien darüber berichten dürften. Es kam mir vor, als würde es mir den Boden unter den Füßen wegziehen und ich musste erst mal das Fenster öffnen, um frische Nachtluft in die Lungen zu saugen und den Kopf klar zu bekommen. MIR möchte IRGENDWER etwas Gutes tun? Tja, wie komme ich denn dazu??? Ich hatte das Gefühl, die Lottofee würde mit einem Haupttreffer von der Glückspforte wedeln, obwohl ich nie gespielt habe. Der nächste Gedanke war: „Was? Ich soll dafür meine Misere publizieren?“ Nein, ich bin nicht „arm“, NEIN! Freilich, ich bin selbstständig tätig, kann seit Wochen kein Einkommen generieren, habe enorme Gesundungskosten neben den üblichen Abbuchungsaufträgen, – aber so richtig „arm“??? NEIN!

    Nachdem mir Jack Gasteiger das Prozedere der Veranstaltung erklärt hatte, bat ich um einige Tage Bedenkzeit, denn ich musste die Offerte erst mal geistig verarbeiten. Bin ich wirklich so „arm“? Die Bilder der Ereignisse der letzten Zeit geisterten durch meinen Kopf. Die Blutlache in meinem Büro, der völlige Zusammenbruch im Badezimmer und dann das Erwachen in irgendeinem Krankenhaus in irgendeiner Intensivstation, irgendwo im Nirgendwo. Irgendwann registrierte ich, dass ich operiert wurde, dass mir ein riesiger Tumor im Dickdarm, der geplatzt war, entfernt wurde und nun ein künstlicher Ausgang meinen Astralkörper ziert, weil ich sonst verreckt wäre. Wohl vernahm ich diese Neuigkeiten, konnte sie aber nicht begreifen. Zu krass war die Aussage, und ich begriff nur allmählich: Diese Misere betrifft tatsächlich MICH! Nachdem ich aufgrund starker Schmerzen entsprechend hochwirksame Medikamente erhielt, überstand ich die ersten Tage nach der Operation relativ gefasst, da ich unter starken Drogen und in halber Bewusstlosigkeit vor mich hin dämmerte.

    Das Ergebnis aus dem Labor, also wie weit der Krebs sich in meinem Körper ausgebreitet hatte, eröffnete mir ein Arzt zusammen mit einem Psychologen einige Tage später. Viele Metastasen wucherten in meinem Körper, die gesamte Leber und die meisten Lymphknoten wären betroffen, und dann der krönende Abschluss: Diese Krankheit sei grundsätzlich unheilbar. Ich könne nun entscheiden: Entweder aufgeben und nichts machen, oder schnellstens mit einer Chemobehandlung beginnen, die zumindest mein Leben verlängern würde. Das Eröffnen dieser Nachricht traf mich wie eine gut gezielte Innviertler Bockfotzn, – und wäre ich nicht sowieso im Bett gelegen, hätte es mich glatt niedergestreckt. Die Möglichkeit einer Sterbehilfe, die ich in diesem Moment wünschte und angenommen hätte, war für den Arzt keine Option.

    Tage später erst, nach einem Besuch meiner Familie, erwachte allmählich der Kampfgeist. Die sorgenvollen Augen und die hilflose Not meiner Eltern gaben den ersten Denkanstoß Richtung Lebensmut. Es ist nicht korrekt, wenn Kinder vor ihren Eltern sterben und von der Natur nicht gewollt! Den endgültigen Ausschlag, weiter leben zu wollen, erzeugte mein Sohn, dessen Kummer ich in jenem Moment nachvollziehen konnte, als mir bewusst wurde, dass er bereits seine Mutter vor einigen Jahren auf sehr ähnliche Art verlor. DAS durfte ich ihm nicht auch noch antun – also: Auf in den Kampf!

    Der erste Schritt zur Befreiung meiner Seelenpein war das Niederschreiben meiner Empfindungen im Rahmen der 5-tel Seite im heimischen Inn-Salzach-Kurier, wobei ich mich hinter meinem Pseudonym „Lukas Kaahs“ bequem verstecken konnte. Ich wollte ja nicht meine Gefühle in die Öffentlichkeit tragen, sondern nur etwas loswerden. Allerdings dachte ich nicht daran, dass einige Menschen wissen, wer da wirklich schreibt. Somit machte die Neuigkeit anscheinend doch ihre Runde, obwohl ich das eigentlich vermeiden wollte. Wer gesteht schon gerne seine Hilflosigkeit?

    Unheilbar: Diese Diagnose will und kann ich nicht akzeptieren. Möchte man sich nicht ausschließlich der schulmedizinischen Erfahrung und Lehrmeinung beugen, muss man Eigeninitiative entwickeln. Dieses Thema interessiert mich seit langem, weshalb ich mich bereits seit sehr vielen Jahren mit alternativen Heilmethoden beschäftige und auch selbst praktiziere. Somit war für mich klar, dass ich vor allem auch in dieser Richtung Hilfe zu suchen hatte. Jede Krankheit – und ganz speziell Krebs – entsteht durch eine seelische Ursache, die gefunden werden muss. Glücklicherweise gibt es wissende und helfende Menschen in meiner Umgebung, die mir bei der Suche nach geeigneten Therapien beistanden, und so bin ich seit einiger Zeit in diversen Behandlungen, die offenbar auch eine positive Wirkung zeigen. Die wöchentlich stattfindende Chemotherapie schwächt zwar meinen Körper enorm, aber auch das lasse ich über mich ergehen und mache brav alles, was die Ärzteschaft befiehlt. Schulmedizin als „Feuerwehr“ sowie zwei nicht wissenschaftlich anerkannte Methoden sind jetzt das, was mir helfen soll. Wer möchte schon – wie vom Arzt prognostiziert – lebenslang auf Chemotherapien angewiesen sein? Nein, dies ist für mich keine Zukunftsvision!

    Nun soll mit der Benefiz-Aktion des Seppl-Laufs neben der großartigen mentalen auch noch eine finanzielle Unterstützung erfolgen. Finanziell ist meine Situation freilich nicht lustig, vor allem, wenn man – so wie ich – seit vielen Jahren selbstständig bzw. freiberuflich arbeitet und sich aufgrund der Wahnsinnspreise der Krankenversicherung gerade mal die Mindestversorgung ohne Krankengeld leisten kann. Das Einkommen fällt im Krankheitsfall weg, von einer Minute auf die andere, die Lebensunterhaltskosten laufen natürlich weiter. Und auch die zusätzlichen Behandlungen übernimmt die Kasse selbstverständlich nicht. Den letzten und ausschlaggebenden Grund, die Liebesgabe der Bevölkerung anzunehmen, lieferten jedoch die Veranstalter und Organisatoren des Seppl-Laufs, Jack Gasteiger und Walter Kopp. Während des Gesprächs mit diesen beiden Menschen konnte ich dieses „helfen wollen“, deren unbändigen Wunsch, Gutes zu tun, spüren und hautnah erleben. Mir fremde Menschen boten völlig uneigennützig ihre Hilfe an – ausgerechnet mir, der kaum in der Öffentlichkeit oder am sozialen Geschehen am Ort präsent ist. Ich weiß, es gibt zahlreiche Bedürftige in der Gemeinde, doch keiner möchte seine Geschichte publizieren. Na klar, ich verstehe das sehr gut, denn das will ich eigentlich auch nicht. Aber vielleicht gibt meine Geschichte dem ein oder anderen ebenfalls Betroffenen den Mut, sich seiner Not zu stellen. Und ich will, dass die großartige Idee und Initiative des Seppl-Laufs weiterhin Jahr für Jahr bestehen möge. Denn gemeinsames Helfen ist oftmals notwendig. Krankheit ist keine Schande, Hilfe annehmen ebenso wenig – auch wenn es auf den ersten Blick schwierig erscheint, weil man es gewohnt ist, sich selbst zu helfen. Doch geteiltes Leid ist halbes Leid, wie der Volksmund weiß – so empfinde ich das nun ebenfalls. Mich hat diese Zuwendung mental extrem berührt. Ich wische mir also ein paar Tränen aus den Augenwinkeln, nehme dankbar die Hilfe an und sage aus vollem Herzen: „Vergelt’s Gott – euch allen!“

    Der Erlös der Veranstaltung wird für alternative Heilmethoden, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden, verwendet.




    Herbert Friesenecker ist leider am 12. Mai 2015 aufgrund seiner schweren Darmkrebserkrankung von uns gegangen.

  • 2013

    Seppl-Lauf 2013 für Hubert

    Sein Händedruck bei der Begrüßung ist noch sehr fest. Dennoch spürt das Gegenüber, dass Hubert Kaufleitner angestrengt wirkt. Durch die Nase bekommt er Sauerstoff zugeführt. Der 53 Jahre alte Hochburger ist trotz seines fast 20-jährigen Leidens an der Lungenkrankheit Sarkoidose immer noch bester Dinge. Seit neun Jahren lebt er mit einer fremden Lunge. Trotzdem der wieder deutlich zunehmenden Sauerstoffknappheit ist er im Vereinsleben von Hochburg-Ach sehr engagiert. Genauso wie in der Selbsthilfegruppe für Herz- und Lungentransplantierte in Salzburg, die er mitbegründet und in der Leitung mitarbeitet. Heuer kommen ihm die Einnahmen des Seppl-Laufs für den barrierefreien Umbau seines Badezimmer zugute. Der Benefizlauf findet an Silvester in Hochburg-Ach statt.

    InnSalzachKurier-Reporter Uli Kaiser sprach mit Hubert Kaufleitner.

    ISK Herr Kaufleitner, Sie leiden an Sarkoidose. Was verbirgt sich dahinter?

    Hubert Kaufleitner: In der Lunge bilden sich viele kleine Knötchen. Diese könnten sich sogar auf weitere Organe ausbreiten, was bei mir zum Glück nicht der Fall ist. Ergebnis dieses Befalls ist, dass die Lungenleistung Schritt für Schritt fällt. Ich habe nie geraucht. Genauso wenig gab es in meiner Familie irgendwelche Anzeichen dafür. Um es kurz zu machen: Am Ende benötigte ich 12 Liter Sauerstoff pro Minute und konnte nicht mehr als fünf Meter gehen. Nach drei Stufen musste ich zehn Minuten Pause machen.

    ISK Wie ging es im Beruf?

    Hubert Kaufleitner: Von 1987 bis September 2001 konnte ich meinen Beruf als Bauingenieur noch ausüben. Ab 2001 war ich schon so geschwächt, dass mir ein Kollege den Aktenkoffer tragen musste. Nachdem ich 2001 vor die Tür gesetzt wurde, habe ich mich weiter um einen Job bemüht. Das gilt übrigens auch für die Zeit nach meiner Lungentransplantation. Keiner wollte mich mehr haben.

    ISK Sie wirken, trotzdem Sie jetzt wieder langsam an Lungenleistung verlieren, sehr fröhlich und ausgeglichen. Was hält Sie so lebendig?

    Hubert Kaufleitner: Ich bin ein richtiger Vereinsmeier. Ich singe sehr gerne und habe auch einen Chor mitgegründet. Diese große Freude habe ich mir nie nehmen lassen — auch als ich kaum mehr gehen konnte und selbst ein paar Meter nur im Rollstuhl überbrücken konnte. Viel Befriedigung verschafft mir auch das Engagement in der Salzburger Selbsthilfegruppe für Herz- und Lungentransplantierte. Hier betreiben wir Aufklärung, helfen Betroffenen und deren Angehörigen.

    ISK Sie haben bereits erwähnt, dass Sie seit 2004 eine neue Lunge haben. Wie war das Gefühl, als Sie nach der OP erwacht sind?

    Hubert Kaufleitner: Sie müssen sich vorstellen, dass sich im September 2004 mein Zustand — so wie oben beschrieben — verschlechtert hat. Ich bin sehr gläubig und sagte zum Herrgott: Entweder du hilfst mir jetzt oder du beendest das Ganze. Seit August 2004 stand ich auf der Liste für Lungentransplantationen. Im letzten Augenblick kam der Anruf. Alles war vorbereitet. Es ging nach Wien zu Dr. Walter Klepetko. Der Rest ist schier unglaublich. Am nächsten Tag operierten mich die Ärzte sechs Stunden lang. Als ich aufwachte, konnte ich alleine wieder voll durchatmen. Ein absoluter Wahnsinn. Bereits nach einer Woche konnte ich ganz ohne Hilfsmittel Treppen steigen. Nach neun Wochen Krankenhaus und Reha, war ich wieder daheim.

    ISK Viele sagen, der Charakter verändere sich nach einer solchen OP. Das gelte besonders für Herz-OPs. Was ist da dran?

    Hubert Kaufleitner: Im Rahmen der Arbeit mit Betroffenen rede ich mit vielen. Es ist definitiv nicht so, dass sich der Charakter verändert, weil man ein Organ eines Fremden in sich hat. Was sich verändert, ist die Sicht auf viele Dinge des Lebens. Vieles, was man im früheren Leben als ganz normal empfunden hat, gerät in den Hintergrund. Zum Beispiel Druck auf jemanden auszuüben, damit eine Baustelle fertig wird.

    ISK Gibt es ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Spender?

    Hubert Kaufleitner: Nein. Das ist bei niemandem so. Keiner erfährt, wer der Spender war. Ich denke schon an meinen unbekannten Helfer und zünde ihm in der Kirche öfter eine Kerze an. Außerdem muss jedem bewusst sein, dass dem anderen Menschen nicht mehr zu helfen war, dessen Organe aber weiteres Leben ermöglichten. Bei uns in Österreich gilt die Regel, dass jeder Organspender ist, außer er ist ausdrücklich dagegen. Das ist in Deutschland anders.

    ISK Kein Spaß ohne Freude. Wie sieht es mit den berühmten Nebenwirkungen aus?

    Hubert Kaufleitner: Jeder Körper verfügt über ein Immunsystem, das Fremdes abstößt. Die Abstoßung hört insbesondere bei der Lunge nie auf. Ich muss täglich zwischen 15 und 20 Tabletten nehmen. Im Wesentlichen halten diese das Immunsystem eher schwach. Das begründet auch die Nebenwirkungen. Im Umkehrschluss bin ich äußerst infektanfällig und muss sehr aufpassen. Außerdem vergiften die Medikamente langsam meine Nieren, die sich mit den diversen Stoffen herumschlagen und diese abbauen müssen.

    ISK Im Rahmen unseres Gesprächs wurden schon viele Punkte erläutert, die in der Aufklärungsarbeit ihres Vereins zu finden sind. Welche Dinge gibt es noch, die vielleicht komisch wirken, aber sehr wichtig sind?

    Hubert Kaufleitner: Wer zum Beispiel vorher einen Hund hatte, darf danach wieder einen haben. Sich jedoch zum ersten Mal einen anschaffen, geht nicht. Außerdem darf keine Blumenerde wegen der Bildung von Schimmelpilzen im Haus sein. Genauso darf man keine Grapefruit oder Johanniskraut aufnehmen. Diese beiden Sachen neutralisieren die
    Wirkung der Medikamente. Grapefruit ist in vielen Radler-Getränken enthalten.

    ISK Wie lange können Spenderorgane ihren Dienst im Körper tun?

    Hubert Kaufleitner: Die Ärzte sagen, dass es verschiedene kritische Zeiten gibt: nach sechs Monaten sowie nach einem, drei und sieben Jahren sind die Abstoßungsreaktionen besonders groß. Ich gehöre schon zu den Methusalixen unter den Transplantierten. Seit neun Jahren funktioniert das jetzt sehr gut. Nun sinkt aber die Lungenleistung wieder. Normal gehen kann ich schon, aber Steigungen sind eine Herausforderung. Das kann jetzt noch vier oder fünf Jahre dauern oder ganz schnell mit einer neuen Lunge gehen.

    ISK Ihnen wird niemals langweilig. Sie möchten weiterhin Aufklärung betreiben?

    Hubert Kaufleitner: Die Leitung der Selbsthilfegruppe habe ich abgegeben. Sie hat ein Einzugsgebiet von rund 50 Kilometern. Ich überlege mir aber auch, ob ich nicht einmal in Burghausen eine Informationsveranstaltung mache. Soweit ich weiß, gibt es in Bayern keine derartigen Anlaufstellen. Ich denke, dass es sehr wichtig wäre, die Scheu vor der Organspende zu nehmen. Vor allem, wenn man sieht, wie es Menschen geht, die davon profitieren. Dann spürt jeder den tieferen Sinn.

    ISK Vielen Dank für dieses Gespräch und viel Kraft!

    Uli Kaiser Inn-Salzach-Kurier

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