Seppl-Lauf 2020: besonderes Jahr, besonderer Lauf
Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums geht der Erlös der diesjährigen Seppl-Lauf-Digital-Edition 2020 an Seppl Wurm.
Heuer wird nicht auf dem Asphalt gelaufen, sondern per Fotostrecke Meter für den guten Zweck gemacht!
Der diesjährige Seppl-Lauf findet nicht nur Corona-bedingt unter besonderen „Umständen“ statt, sondern jährt sich auch zum 10. Mal und feiert Jubiläum.
Der traditionelle Benefizlauf um die Organisatoren Walter Kopp und Hermann Gasteiger wurde erstmalig 2011 für den Verunglückten und Namensgeber Sepp Wurm ins Leben gerufen. Der Bruder von Hermann zog sich im Jahr davor bei einem Arbeitsunfall einen hohen Querschnitt zu und ist seither vom Hals ab gelähmt. Er ist nach monatelangem Klinikaufenthalt und anschließender Reha auf den Rollstuhl und 24-h-Betreuung angewiesen.
Mit dem Spendenerlös des 1. Laufs konnte die lang ersehnte Hebebühne für seinen VW-Bus gekauft werden, um ihn so wieder am sozialen Leben wie Besuche, Feiern, Friseur, Einkäufe, Arzttermine oder Spazierfahrten teilnehmen zu lassen. Ihm wurde dadurch wieder ein Stück Selbstbestimmung und Mobilität geschenkt.
Dieses Jahr sollte der Erlös des Jubiläumslaufs wieder seinem Namensgeber zu Gute kommen. Die letzten 10 Jahre mit unzähligen Folgeerkrankungen, daraus resultierenden häufigen Krankenhausaufenthalten und endlose Therapien waren für ihn, aber auch für seine Familie nicht immer leicht und kräftezehrend.
Mit dem diesjährigen Erlös wollte sich Seppl einen lang gehegten Wunsch erfüllen und zum ersten Mal in seinem Leben Urlaub am Meer in einem behindertengerechten Hotel machen, um Kraft und Ausdauer für die kommenden Jahre und Herausforderungen zu tanken. Auch die Anschaffung eines aufwändigen Pflegebettes steht demnächst an.
Mit vielen kleinen und größeren Spenden konnte über die letzten 10 Jahre vielen Menschen direkt, persönlich, unkompliziert und vor allem regional geholfen werden. Aber nicht nur Geld ist der eigentliche Antrieb des Organisationsteams dieser liebgewonnen Tradition. Es soll für jedermann auf diesem Weg vor allem Solidarität, Wärme, Nächstenliebe und Mitgefühl zum Jahreswechsel zum Ausdruck gebracht werden können.
Aber was nun, mitten in der zweiten Welle der Coronakrise? Ein Lauf mit mehreren hundert Teilnehmern? Unvorstellbar! Ausfallen lassen? Sepp auf 2021 vertrösten und ihm seinen Wunsch nicht erfüllen? Für die Organisatoren und die Familie noch weniger vorstellbar.
Deshalb soll dieses Jahr nicht gelaufen, sondern per Fotostrecke die Meter für den guten Zweck gemacht werden.
Jeder, der spendet, kann ab dem 17. Dezember ein Foto zum Thema Seppl-Lauf auf die Facebookseite „Seppl-Lauf 2020 #seppllaufchallenge“ hochladen.
Ohne Facebookprofil können die Fotos an die Mailadresse seppllauf@gmail.com gesendet werden, um dann auf oben benannter Facebookseite veröffentlicht zu werden.
Hier geht es zur Instagramseite
Auf dem Foto sollte in irgendeiner Weise das Wort „Seppl-Lauf“ zu lesen sein.
Mit der Teilnahme erklären Sie sich gem. DSGVO damit einverstanden, dass Ihr Foto in den sozialen Medien im Internet und/oder auch in Printmedien veröffentlicht werden darf.
Jetzt ist Kreativität und Einsatz gefragt, denn das Bild mit den meisten „Gefällt mir“-Angaben in Verbindung mit einer Spende wird an Silvester prämiert! Einsendeschluss für die Teilnahme an der Prämierung ist der 29.12.2020, 24.00 Uhr.
Gespendet werden darf natürlich die „Startgebühr zur Fotostrecke“ von 10 Euro pro Person
(oder auch jeder andere Betrag, Spendenquittung möglich), auch ohne Bild, auf das
Spendenkonto „Seppl-Lauf“: IBAN AT84 2040 4000 4186 8498, BIC SBGSAT2SXXX
oder auf der Spendenseite
Gerne werden auch noch weitere Spenden über den Silvestertag hinaus, bis einschließlich 07. Jänner, dankend angenommen.
Und hier sind die bereits geposteten Fotos
Liebgewordene Tradition auch am diesjährigen Silvestertag in Hochburg-Ach.
Der Erlös des diesjährigen Seppl-Lauf geht an ein junges Mädchen aus Tarsdorf.

von links nach rechts: Schwester Marlies, Vater Stephan, Paulina und Mutter Michaela
Das Jahr 2019 soll auch dieses Jahr mit einer liebgewordenen Tradition, dem Seppl-Lauf in Hochburg-Ach enden. Der Lauf wurde vor neun Jahren für den Namensgeber Sepp Wurm initiiert, der aufgrund eines Arbeitsunfalls einen hohen Querschnitt erlitt. Der Erlös geht seither an in unverschuldet in Not geratene Menschen. Die diesjährigen Einnahmen kommen einem jungen Mädchen mit geistiger Beeinträchtigung aus Tarsdorf – und so erstmalig einem Kind – zu Gute.
Im Mai 2013 können Michaela Sommerauer und Stephan Österbauer mit großer Freude ihre Tochter Paulina in den Armen halten. Sie kommt als vermeintlich gesundes Kind zur Welt. Der Alptraum einer wohl jeden Familie beginnt, als sich bereits sehr früh Entwicklungsverzögerungen zeigen oder Fortschritte zur Gänze ausbleiben. Mit 18 Monaten zeigten sich schon deutliche Unterschiede zu gleichaltrigen Kindern, die bis heute anhalten. Paulina ist zwar heute mit ihren sechs Jahren ein fröhliches Mädchen, hatte in ihrem jungen Leben jedoch keinen leichten Start und wird es auch immer schwerer haben als andere gleichaltrige. Viele „einfache“ Dinge des Alltags sind für sie und ihre Familie eine große Herausforderung.
Aus mangelnder Feinmotorik, schlechter Konzentrationsfähigkeit, verschobener Körperwahrnehmung und verändertem Schmerzempfinden ergeben sich viele schwierige Situationen für die Eltern und zweiteTochter Marlies, die oftmals kräftezehrend sind und ein hohes Maß an Fürsorge, Empathie, Rücksicht und Geduld rund um die Uhr erfordern.
Wie sich Paulinas Entwicklung in Zukunft gestaltet, kann niemand sagen. Die Eltern wollen sie gerade deshalb in allen Bereichen so gut es geht unterstützen. Mit den Spenden aus dem Benefizlauf soll mit einer Delfintherapie Paulina geholfen werden, sich künftig Schritt für Schritt vorwärts zu kämpfen, so dass sie vielleicht eines Tages ein geregeltes Leben führen kann.
Am Dienstag, den 31.12.2019 fällt ab 11.00 Uhr der Startschuss am Naturfreundehaus in Ach. Die Startgebühr in Höhe von 10 Euro für die 5 km lange Route kann vor Ort entrichtet werden und ist gleichzeitig die Spende. Der Erlös kommt zu 100 % direkt bei Paulina an, so die Veranstalter Walter Kopp und Hermann Gasteiger.
Auch dieses Jahr ist selbstverständlich wieder dabei sein alles! Willkommen ist jeder, ob laufen, walken, gehen oder einfach nur Spenden und Gutes tun. Das ehrenamtliche Organisationsteam um die Veranstalter sorgt in gewohnter Weise mit Glühwein, Glühmost, Getränken, Würstel und Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl. Ende der Veranstaltung ist 14.00 Uhr.

Auch am diesjährigen Silvestertag findet der Seppl-Lauf in Hochburg-Ach statt.
Erlös kommt zwei vom Schicksal getroffenen jungen Männern zu Gute.
Die Naturfreunde Hochburg-Ach, Walter Kopp und Jack Gasteiger organisieren dieses Jahr zum 8. Mal den Seppl-Lauf für unverschuldet in Not geratene Menschen. Er wurde ursprünglich für den Namensgeber Sepp Wurm initiiert, der seit einem Arbeitsunfall vom Hals ab gelähmt ist. Die Organisatoren bringen mit ihrem Team jährlich mehrere hundert Teilnehmer an den Start. Erstmals geht der Erlös des Seppl-Laufs über die Grenzen Hochburg-Achs hinaus. Mit dem Geld werden zwei junge Männer individuell auf ihrem Genesungsweg unterstützt, deren Leben von einer Sekunde auf die andere aus den Fugen geraten ist.
St. Johann am Walde: Ein fröhliches Dorffest, bei dem Jung und Alt zusammen kommen und auf das die Einheimischen so stolz sind. Dieses Fest sollte Schauplatz einer unvorhersehbaren Katastrophe werden. Ein plötzlich aufziehender Sturm riss am 18. August 2017 gegen 22.30 Uhr mit einer Böe das gesamte Festzelt des Frauscherecker Feuerwehrfestes nieder. Der Einsturz des Festzeltes kostete zwei Menschen das Leben und es wurden ca. 140 Personen verletzt. Unter den Schwerstverletzten befanden sich auch Christoph Berer und Lukas Hofer. An diesem Abend haben sich die Schicksale der beiden 22-jährigen Männer miteinander verwoben.
Christoph (rechts im Bild) war seit dem frühen Abend im Festzelt hinter der Bar am arbeiten, als er plötzlich von einem herumwirbelnden Kühlschrank getroffen und auf ein umgestürztes Metallgestell geschleudert wurde. Er lag bewegungsunfähig mit einer großen Kopfwunde und zertrümmertem 4. Halswirbel mitten im Chaos. Nach zwei Monaten auf der Intensivstation und anschließender Reha sitzt er nun im Rollstuhl. Entgegen aller Prognosen hat er sich wieder ins Leben zurück gekämpft. Er kann wieder selbständig atmen, essen, sprechen und auch seine Arme wieder bewegen. Die Genesung geht sehr langsam voran, aber „aus ganz kleinen Schritten wird auch irgendwann ein Großer“, so Christoph.
Lukas (links im Bild) war an besagtem Abend mit ein paar Freunden verabredet. Als sie sich gemeinsam an einen Tisch gesetzt hatten wurde er von einem Gegenstand schwer am Kopf getroffen. Erinnern kann er sich erst viel später an das Unglück. Er zog sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und eine Mittelgesichtsfraktur zu. Auch er verbrachte viele Wochen im Krankenhaus und musste sich dort diversen Kopf- und Gesichtsoperationen unterziehen. Nach erfolgter Reha leidet auch er nun an den Folgeschäden des Unglücks. Sein Sehvermögen liegt links unter 10% und die schweren Gehirnverletzungen ziehen bisher epileptische Anfälle nach sich. Wenn es der Heilungsprozess zulässt ist für ihn eine Langzeitreha in Gallspach geplant.
Am Montag, den 31.12.18, ab 11.00 Uhr startet der Seppl-Lauf in gewohnter Weise am Naturfreundehaus in Ach. Die Anmeldung für den 5 km langen Benefizlauf erfolgt vor Ort. Die Startgebühr von 10 Euro ist gleichzeitig die Spende der Teilnehmer. Bei diesem besonderen Benefizlauf geht es natürlich nicht um Geschwindigkeit oder Bestzeiten, sondern dabei sein ist hier alles. Spenden darf natürlich aber jeder, ob er läuft, geht, oder eben an diesem Tag nur Gutes tun möchte. Für das leibliche Wohl werden Gulaschsuppe, Gemüsesuppe, Glühwein, Glühmost, Kaffee und Kuchen angeboten. Ende der Veranstaltung ist 14.00 Uhr.
An Silvester findet wieder der Benefizlauf in Hochburg-Ach statt
Einnahmen kommen einer in Not geratenen Österreicherin zu Gute
Hochburg-Ach. „Es sollte ein lustiges, gemütliches Wochenende mit den Geschwistern und Partnern von Hubert werden. Doch alles kam anders...“ So beginnt Maria Kaufleitner ihre Geschichte. Sie ist die Hauptfigur des diesjährigen Seppl-Laufs, der schon zum siebten Mal an Silvester in Hochburg-Ach stattfindet. Bei dem Lauf über fünf Kilometer geht es nicht um großartige sportliche Leistungen, sondern darum, zu helfen: in diesem Jahr der 53-jährigen Hochburg-Acherin Maria Kaufleitner.
Diese musste nicht nur im September den Tod ihres Mannes bei einem Ausflug nach Ungarn meistern, sondern auch die folgende bürokratische Odyssee und die hohen Kosten der Überführung des Leichnahms aus dem Ausland. Ihr Mann, Hubert (55), war seit vielen Jahren schon schwer lungenkrank. Er hatte wegen seiner Sarkoidose bereits zwei Lungentransplantationen hinter sich und um das Ehepaar Kaufleitner und die vier Kinder zu unterstützen, gingen die Einnahmen und Spenden beim Seppl-Lauf vor vier Jahren an Hubert Kaufleitner. Das Haus musste damals behindertengerecht umgebaut werden, Hubert war berufsunfähig, Maria mit ihrem Einkommen als Mesnerin quasi Alleinverdienerin in der Familie. Beim diesjährigen Lauf geht es nun um die verwitwete Maria Kaufleitner.
Denn die kann Unterstützung sehr gut gebrauchen, weiß Herrmann Gasteiger, der gemeinsam mit seinem Freund Walter Kopp den Seppl-Lauf 2010 ins Leben gerufen hat. Damals für seinen Bruder, den Sepp, der nach einem Arbeitsunfall vom Hals an gelähmt ist. Gasteiger und Kopp suchen nun Jahr für Jahr einen Menschen in Hochburg-Ach, der unverschuldet in Not geraten ist – und sie bringen bis zu 1200 Läufer dazu, diesem einen Mitmenschen zu helfen. In finanzieller Hinsicht mit Spenden, aber nicht nur: „Es entsteht eine unglaubliche Energie an diesem Tag“, sagt Gasteiger. „Wenn derjenige, um den es geht, sieht, wie viele Leute da nur wegen ihm gekommen sind – das gibt unglaublichen Auftrieb.“
Das soll auch Maria Kaufleitner zuteil werden. Am Sonntag, 31. Dezember, ab 11 Uhr startet der Seppl-Lauf über fünf Kilometer am Naturfreunde-Haus in Ach. Anmeldung nur vor Ort. Ende des Laufs ist um 14 Uhr. Die 10 Euro Startgebühr sind gleichzeitig die Spende der Teilnehmer. Spenden darf aber natürlich jeder, ob er läuft oder nicht. Mitlaufen (oder gehen) kann jeder, es geht nicht um Geschwindigkeit. Es gibt Glühwein und Punsch, Kaffee, Kuchen und Bratwürstl.
Burghauser Anzeiger / Schönstetter
Meine unfassbare Geschichte. Das ist die Überschrift, die Maria Kaufleitner über ihre Geschichte schreibt. Und die formuliert sie in der Seppl-Lauf-Tradition selbst:
„Hubert ging es nach seiner zweiten Lungentransplantation im April 2016 bestens. Er war wieder fit und aktiv, er genoss sein drittes Leben in vollen Zügen. So war es auch beim Ausflug der ’Reithgassner-Kinder’ nach Heiligenkreuz im Burgenland, inklusive eines Tagesausflugs nach Ungarn in die Stadt Szombathely. Hubert ging es nach morgendlichen Problemen mit Schmerzen am Brustbein und Blutspucken wieder gut und alle zusammen starteten wir nach Ungarn. Für Hubert war ein Spaziergang an diesem Tag zu anstrengend. Deshalb machte er es sich in einem Gastgarten gemütlich, bis es retour Richtung Österreich ging.
Huberts Schmerzen am Brustbein machten ihm wieder zu schaffen. Es ging ihm nicht gut. Nach einigen Kilometern mussten wir stoppen, Hubert musste erbrechen. Nach einer Weile setzten wir die Fahrt fort, ich schon mit dem Gedanken, ein Krankenhaus aufzusuchen, sobald wir über der Grenze sind. Gerade mal losgefahren, stoppten wir erneut. Aus Huberts Mund und Nase kam bereits blutiger Schaum und er war nicht mehr ansprechbar. Trotz sofort eingeleiteter Reanimation durch die Geschwister und die über Euro-Notruf verständigte Rettung und Notarzt kam jede Hilfe zu spät.
In einer trostlosen Landschaft auf der Straße ohne Namen endete Huberts Lebensreise. Meine Horrorreise begann genau an diesem Punkt.
Durch Zufall wurde Veronika, eine Lehrerin aus Bozsok, informiert, sie möge doch bitte an die Unglücksstelle kommen um zu dolmetschen. Nach einer Weile kam ein Bestattungsunternehmen, um Hubert abzuholen. Würdevoll ist anders. Auf die Nachfrage, wohin man ihn bringe und ob wir noch zu ihm dürfen, wurde mir mitgeteilt, dass er in ein Leichenhaus nach Szombathely gebracht wird. Er sei von nun an bis Montag unter Verschluss, bis ein Arzt zur Totenbeschau kommt. Weder die Polizei noch sonst jemand erkundigte sich nach meinen Daten. Ich stand am Straßenrand ohne Information, an wen ich mich wenden könne. Wir beschlossen, noch am selben Abend die Heimreise anzutreten – ohne Hubert.
Nach dem ersten Schock begann dann am Montag zu Hause der behördliche Wahnsinn. Es startete der erste Telefonmarathon: Erst das Konsulat, hier wurde uns in gebrochenem Deutsch mitgeteilt, dass man uns nicht helfen könne. Dann das Auswärtige Amt in Wien, bis wir bei der österreichischen Botschaft in Budapest landeten. Dort wurde uns erklärt, dass alles normal ablaufe, wie in jedem EU-Land, die üblichen Formulare auszufüllen sind und für die Überführung ein Zinnsarg verwendet werden muss.
Am Dienstagnachmittag erhielten wir den Anruf, dass Hubert endlich freigegeben ist. Mit dem Bestattungsunternehmen plante ich für Donnerstag die Fahrt, um Hubert nach Hause zu holen. Am Mittwochmorgen ein Anruf von unserer Dolmetscherin Veronika: Wir benötigen eine amtliche Bestätigung der Wohnadresse von Hubert und weitere Unterlagen. Wir erkundigten uns am Mittwoch am Gemeindeamt, was zu tun ist, wenn die Sterbeurkunde in ungarischer Sprache verfasst ist. Wer ist gerichtlich beeidet, die für Österreich gültige Übersetzung durchzuführen?
Dann der nächste Dämpfer: Alle Urkunden müssen vor Ort ins Ungarische übersetzt werden. Mindestdauer: drei Werktage. Das bedeutete, wir könnten frühestens am Montag am Amt in Ungarn alles erledigen. Zudem ist es in Österreich Gesetz, dass ein Verstorbener innerhalb von zehn Tagen beerdigt oder verbrannt werden muss. Die Zeit lief, wir wollten uns doch zu Hause von einem Sarg verabschieden und Hubert nicht in Ungarn verbrennen lassen.
Verzweifelt riefen wir erneut in der Botschaft in Budapest an. Dann die Info, wir könnten Hubert nun doch holen, jedoch erhalten wir keine Formulare, diese dauern eine Woche. Um Fassung bemüht, erklärten wir ihnen, dass der Bestatter nicht ohne Totenschein über die Grenze fahren darf. Nach längerem Hin und Her erreichte uns die positive Nachricht, dass die Formulare fertig gestellt werden und wir Hubert über die Grenze holen können.
Mit ziemlich viel Bauchweh starteten wir am Donnerstag um 4 Uhr früh. Um 9.30 Uhr trafen wir am Friedhof in Szombathely ein, wo uns Veronika bereits erwartete. Nach der Begutachtung des Fahrzeuges sowie der mitgebrachten Särge, der Dokumente und nach Bezahlung der bereits entstanden Kosten durften wir endlich in die Kühlung, zu Hubert. Wir durften ihn waschen, ankleiden und in den Zinnsarg umbetten. Dann mussten wir den Zinnsarg verplomben, ehe wir ihn in den Holzsarg für den Transport geben konnten. Wer glaubt, dass dies bereits der größte Teil an Formalitäten war, irrt sich. Nächster Halt: das Amt in Velem.
Die Dokumente wurden kopiert, meine Daten aufgenommen und in vielfacher Weise dokumentiert. Noch nie in meinem Leben musste ich so viel unterschreiben. Ich wusste nicht einmal, worum es sich im Detail handelte. Danach ging es weiter zum Gesundheitsamt. Auch hier wurde nochmals alles genauestens kontrolliert, der Fahrer, das Bestattungsunternehmen, das Auto, die beiden Särge und die Kühlung des Fahrzeuges. Nach diesem Kontrollgang wurden uns die erforderlichen Dokumente übergeben und wir konnten endlich losfahren.
Um 17.30 Uhr überquerten wir den vorgeschriebenen Grenzübergang. Uns fiel ein Stein vom Herzen, jetzt hatten wir es geschafft! Hubert war endlich wieder in Österreich! Voller Erleichterung und nach 960 Kilometern waren wir mit Hubert wieder zu Hause. Nun konnten wir das Rosenkranzbeten und das Requiem mit Urnenbeisetzung vorbereiten. So wie Hubert es sich immer gewünscht hat.
Am Freitag mussten wir uns erneut mit den Behörden in Verbindung setzen, um die Angelegenheit bezüglich der Sterbeurkunde und des Totenscheins zu klären, da ja alle Dokumente auf Ungarisch waren. Nach eineinhalb Wochen, endlosen Telefonaten und behördlichen Hürden konnten ich und meine Familie uns erst mit der Trauer und dem Begräbnis auseinandersetzen.
Ich wünsche keinem, dass er das durchmachen muss, was wir in dieser Zeit erlebt und mitgemacht haben. Man glaubt kaum, welche Hürden man zu bewältigen hat, wenn man nur ein paar Kilometer über der Grenze ist!“

Natürlich habe ich immer wieder Angst vor der Zukunft und das kann ich auch nicht einfach mit einem Fingerschnips wegbringen. Aber meine neue Lebenseinstellung ermöglicht mir immer mehr mit dem eigenen Schicksal umzugehen und vor allem trotzdem ein zufriedenes und glückliches Leben führen zu können!
Aber eines ist ganz sicher: Ohne den unermüdlichen Beistand meines Mannes und meiner Familie wäre ich vermutlich an meiner Erkrankung zerbrochen! Sie waren immer für mich da und gaben mir so viel Kraft, das alles durchzustehen! Das schönste Geschenk bekam ich allerdings von meinem Mann, als er von der ersten Minute nach dem Schlaganfall hinter meiner Entscheidung stand, die Hochzeit nicht zu verschieben. Er glaubte fest an mich und wusste, ich hätte die nötige Kraft und den Willen meine Ziele zu erreichen.
Ärzte und Therapeuten sind sich nach wie vor einig, dass mir die bevorstehende Hochzeit unglaublich bei meiner Genesung geholfen hatte. Denn ich hatte dadurch ein genaues Ziel, das ich bis zu einem fixen Datum erreichen musste. Und dazu noch einen eisernen Willen es zu schaffen. Ohne all das wäre ich niemals in dieser kurzen Zeit so weit gekommen...
November 2014: Nun wurde ich also erwählt. Auserwählt. Auserkoren sozusagen. Dafür bestimmt, Gutes zu erfahren. Ausgesucht, um Zuwendung, Hilfe, Unterstützung, ja vielleicht sogar eine gewisse Zuneigung vieler Menschen hautnah zu erleben. Welch eine Lebenserfahrung für jemanden, der bislang überwiegend als Einzelgänger und -kämpfer durchs Leben pilgerte!
Worum es geht? Um den Seppl-Lauf, der seit drei Jahren immer am Silvestertag (31. Dezember) beim Naturfreundehaus in Ach stattfindet und dessen Erlös einem hilfsbedürftigen Menschen im Nahbereich der Gemeinde Hochburg-Ach zur Verfügung gestellt wird. Eine Benefiz-Aktion also, bei der das halbe Dorf auf den Beinen ist und an der immer mehr auch die Überackerer und Burghauser Nachbarn teilnehmen. Menschen und Organisationen begehen bzw. generieren gemeinsam ein Ereignis, um einem einzelnen Mitbürger, der gesundheitlich in Not geraten ist, das Leben zu erleichtern und mithelfen, dessen erhebliche Genesungskosten zu tragen. Welch grandiose Idee! Aber auch: Welch ein Zwiespalt für denjenigen, dem dies alles gewidmet werden soll und von dem nun erwartet wird, seine Bedürftigkeit und Not einer breiten Öffentlichkeit zu offenbaren.
Eines freitagabends rief mich ein wildfremder Mann an, stellte sich vor mit „Jack Gasteiger“ und fragte, ob er mir ein Angebot eröffnen dürfe. Völlig verdutzt stimmte ich zu und erfuhr zu meiner Verwunderung von oben erwähntem „Seppl-Lauf“, – und dass der Erlös der diesjährigen Aktion MIR zugutekommen sollte, falls ich das „erlaube“. Bedingung wäre lediglich, dass ich mein „Schicksal“ veröffentlichen würde, also diverse Medien darüber berichten dürften. Es kam mir vor, als würde es mir den Boden unter den Füßen wegziehen und ich musste erst mal das Fenster öffnen, um frische Nachtluft in die Lungen zu saugen und den Kopf klar zu bekommen. MIR möchte IRGENDWER etwas Gutes tun? Tja, wie komme ich denn dazu??? Ich hatte das Gefühl, die Lottofee würde mit einem Haupttreffer von der Glückspforte wedeln, obwohl ich nie gespielt habe. Der nächste Gedanke war: „Was? Ich soll dafür meine Misere publizieren?“ Nein, ich bin nicht „arm“, NEIN! Freilich, ich bin selbstständig tätig, kann seit Wochen kein Einkommen generieren, habe enorme Gesundungskosten neben den üblichen Abbuchungsaufträgen, – aber so richtig „arm“??? NEIN!
Nachdem mir Jack Gasteiger das Prozedere der Veranstaltung erklärt hatte, bat ich um einige Tage Bedenkzeit, denn ich musste die Offerte erst mal geistig verarbeiten. Bin ich wirklich so „arm“? Die Bilder der Ereignisse der letzten Zeit geisterten durch meinen Kopf. Die Blutlache in meinem Büro, der völlige Zusammenbruch im Badezimmer und dann das Erwachen in irgendeinem Krankenhaus in irgendeiner Intensivstation, irgendwo im Nirgendwo. Irgendwann registrierte ich, dass ich operiert wurde, dass mir ein riesiger Tumor im Dickdarm, der geplatzt war, entfernt wurde und nun ein künstlicher Ausgang meinen Astralkörper ziert, weil ich sonst verreckt wäre. Wohl vernahm ich diese Neuigkeiten, konnte sie aber nicht begreifen. Zu krass war die Aussage, und ich begriff nur allmählich: Diese Misere betrifft tatsächlich MICH! Nachdem ich aufgrund starker Schmerzen entsprechend hochwirksame Medikamente erhielt, überstand ich die ersten Tage nach der Operation relativ gefasst, da ich unter starken Drogen und in halber Bewusstlosigkeit vor mich hin dämmerte.
Das Ergebnis aus dem Labor, also wie weit der Krebs sich in meinem Körper ausgebreitet hatte, eröffnete mir ein Arzt zusammen mit einem Psychologen einige Tage später. Viele Metastasen wucherten in meinem Körper, die gesamte Leber und die meisten Lymphknoten wären betroffen, und dann der krönende Abschluss: Diese Krankheit sei grundsätzlich unheilbar. Ich könne nun entscheiden: Entweder aufgeben und nichts machen, oder schnellstens mit einer Chemobehandlung beginnen, die zumindest mein Leben verlängern würde. Das Eröffnen dieser Nachricht traf mich wie eine gut gezielte Innviertler Bockfotzn, – und wäre ich nicht sowieso im Bett gelegen, hätte es mich glatt niedergestreckt. Die Möglichkeit einer Sterbehilfe, die ich in diesem Moment wünschte und angenommen hätte, war für den Arzt keine Option.
Tage später erst, nach einem Besuch meiner Familie, erwachte allmählich der Kampfgeist. Die sorgenvollen Augen und die hilflose Not meiner Eltern gaben den ersten Denkanstoß Richtung Lebensmut. Es ist nicht korrekt, wenn Kinder vor ihren Eltern sterben und von der Natur nicht gewollt! Den endgültigen Ausschlag, weiter leben zu wollen, erzeugte mein Sohn, dessen Kummer ich in jenem Moment nachvollziehen konnte, als mir bewusst wurde, dass er bereits seine Mutter vor einigen Jahren auf sehr ähnliche Art verlor. DAS durfte ich ihm nicht auch noch antun – also: Auf in den Kampf!
Der erste Schritt zur Befreiung meiner Seelenpein war das Niederschreiben meiner Empfindungen im Rahmen der 5-tel Seite im heimischen Inn-Salzach-Kurier, wobei ich mich hinter meinem Pseudonym „Lukas Kaahs“ bequem verstecken konnte. Ich wollte ja nicht meine Gefühle in die Öffentlichkeit tragen, sondern nur etwas loswerden. Allerdings dachte ich nicht daran, dass einige Menschen wissen, wer da wirklich schreibt. Somit machte die Neuigkeit anscheinend doch ihre Runde, obwohl ich das eigentlich vermeiden wollte. Wer gesteht schon gerne seine Hilflosigkeit?
Unheilbar: Diese Diagnose will und kann ich nicht akzeptieren. Möchte man sich nicht ausschließlich der schulmedizinischen Erfahrung und Lehrmeinung beugen, muss man Eigeninitiative entwickeln. Dieses Thema interessiert mich seit langem, weshalb ich mich bereits seit sehr vielen Jahren mit alternativen Heilmethoden beschäftige und auch selbst praktiziere. Somit war für mich klar, dass ich vor allem auch in dieser Richtung Hilfe zu suchen hatte. Jede Krankheit – und ganz speziell Krebs – entsteht durch eine seelische Ursache, die gefunden werden muss. Glücklicherweise gibt es wissende und helfende Menschen in meiner Umgebung, die mir bei der Suche nach geeigneten Therapien beistanden, und so bin ich seit einiger Zeit in diversen Behandlungen, die offenbar auch eine positive Wirkung zeigen. Die wöchentlich stattfindende Chemotherapie schwächt zwar meinen Körper enorm, aber auch das lasse ich über mich ergehen und mache brav alles, was die Ärzteschaft befiehlt. Schulmedizin als „Feuerwehr“ sowie zwei nicht wissenschaftlich anerkannte Methoden sind jetzt das, was mir helfen soll. Wer möchte schon – wie vom Arzt prognostiziert – lebenslang auf Chemotherapien angewiesen sein? Nein, dies ist für mich keine Zukunftsvision!
Nun soll mit der Benefiz-Aktion des Seppl-Laufs neben der großartigen mentalen auch noch eine finanzielle Unterstützung erfolgen. Finanziell ist meine Situation freilich nicht lustig, vor allem, wenn man – so wie ich – seit vielen Jahren selbstständig bzw. freiberuflich arbeitet und sich aufgrund der Wahnsinnspreise der Krankenversicherung gerade mal die Mindestversorgung ohne Krankengeld leisten kann. Das Einkommen fällt im Krankheitsfall weg, von einer Minute auf die andere, die Lebensunterhaltskosten laufen natürlich weiter. Und auch die zusätzlichen Behandlungen übernimmt die Kasse selbstverständlich nicht. Den letzten und ausschlaggebenden Grund, die Liebesgabe der Bevölkerung anzunehmen, lieferten jedoch die Veranstalter und Organisatoren des Seppl-Laufs, Jack Gasteiger und Walter Kopp. Während des Gesprächs mit diesen beiden Menschen konnte ich dieses „helfen wollen“, deren unbändigen Wunsch, Gutes zu tun, spüren und hautnah erleben. Mir fremde Menschen boten völlig uneigennützig ihre Hilfe an – ausgerechnet mir, der kaum in der Öffentlichkeit oder am sozialen Geschehen am Ort präsent ist. Ich weiß, es gibt zahlreiche Bedürftige in der Gemeinde, doch keiner möchte seine Geschichte publizieren. Na klar, ich verstehe das sehr gut, denn das will ich eigentlich auch nicht. Aber vielleicht gibt meine Geschichte dem ein oder anderen ebenfalls Betroffenen den Mut, sich seiner Not zu stellen. Und ich will, dass die großartige Idee und Initiative des Seppl-Laufs weiterhin Jahr für Jahr bestehen möge. Denn gemeinsames Helfen ist oftmals notwendig. Krankheit ist keine Schande, Hilfe annehmen ebenso wenig – auch wenn es auf den ersten Blick schwierig erscheint, weil man es gewohnt ist, sich selbst zu helfen. Doch geteiltes Leid ist halbes Leid, wie der Volksmund weiß – so empfinde ich das nun ebenfalls. Mich hat diese Zuwendung mental extrem berührt. Ich wische mir also ein paar Tränen aus den Augenwinkeln, nehme dankbar die Hilfe an und sage aus vollem Herzen: „Vergelt’s Gott – euch allen!“
Der Erlös der Veranstaltung wird für alternative Heilmethoden, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden, verwendet.
Herbert Friesenecker ist leider am 12. Mai 2015 aufgrund seiner schweren Darmkrebserkrankung von uns gegangen.
Sein Händedruck bei der Begrüßung ist noch sehr fest. Dennoch spürt das Gegenüber, dass Hubert Kaufleitner angestrengt wirkt. Durch die Nase bekommt er Sauerstoff zugeführt. Der 53 Jahre alte Hochburger ist trotz seines fast 20-jährigen Leidens an der Lungenkrankheit Sarkoidose immer noch bester Dinge. Seit neun Jahren lebt er mit einer fremden Lunge. Trotzdem der wieder deutlich zunehmenden Sauerstoffknappheit ist er im Vereinsleben von Hochburg-Ach sehr engagiert. Genauso wie in der Selbsthilfegruppe für Herz- und Lungentransplantierte in Salzburg, die er mitbegründet und in der Leitung mitarbeitet. Heuer kommen ihm die Einnahmen des Seppl-Laufs für den barrierefreien Umbau seines Badezimmer zugute. Der Benefizlauf findet an Silvester in Hochburg-Ach statt.
InnSalzachKurier-Reporter Uli Kaiser sprach mit Hubert Kaufleitner.
ISK Herr Kaufleitner, Sie leiden an Sarkoidose. Was verbirgt sich dahinter?
Hubert Kaufleitner: In der Lunge bilden sich viele kleine Knötchen. Diese könnten sich sogar auf weitere Organe ausbreiten, was bei mir zum Glück nicht der Fall ist. Ergebnis dieses Befalls ist, dass die Lungenleistung Schritt für Schritt fällt. Ich habe nie geraucht. Genauso wenig gab es in meiner Familie irgendwelche Anzeichen dafür. Um es kurz zu machen: Am Ende benötigte ich 12 Liter Sauerstoff pro Minute und konnte nicht mehr als fünf Meter gehen. Nach drei Stufen musste ich zehn Minuten Pause machen.
ISK Wie ging es im Beruf?
Hubert Kaufleitner: Von 1987 bis September 2001 konnte ich meinen Beruf als Bauingenieur noch ausüben. Ab 2001 war ich schon so geschwächt, dass mir ein Kollege den Aktenkoffer tragen musste. Nachdem ich 2001 vor die Tür gesetzt wurde, habe ich mich weiter um einen Job bemüht. Das gilt übrigens auch für die Zeit nach meiner Lungentransplantation. Keiner wollte mich mehr haben.
ISK Sie wirken, trotzdem Sie jetzt wieder langsam an Lungenleistung verlieren, sehr fröhlich und ausgeglichen. Was hält Sie so lebendig?
Hubert Kaufleitner: Ich bin ein richtiger Vereinsmeier. Ich singe sehr gerne und habe auch einen Chor mitgegründet. Diese große Freude habe ich mir nie nehmen lassen — auch als ich kaum mehr gehen konnte und selbst ein paar Meter nur im Rollstuhl überbrücken konnte. Viel Befriedigung verschafft mir auch das Engagement in der Salzburger Selbsthilfegruppe für Herz- und Lungentransplantierte. Hier betreiben wir Aufklärung, helfen Betroffenen und deren Angehörigen.
ISK Sie haben bereits erwähnt, dass Sie seit 2004 eine neue Lunge haben. Wie war das Gefühl, als Sie nach der OP erwacht sind?
Hubert Kaufleitner: Sie müssen sich vorstellen, dass sich im September 2004 mein Zustand — so wie oben beschrieben — verschlechtert hat. Ich bin sehr gläubig und sagte zum Herrgott: Entweder du hilfst mir jetzt oder du beendest das Ganze. Seit August 2004 stand ich auf der Liste für Lungentransplantationen. Im letzten Augenblick kam der Anruf. Alles war vorbereitet. Es ging nach Wien zu Dr. Walter Klepetko. Der Rest ist schier unglaublich. Am nächsten Tag operierten mich die Ärzte sechs Stunden lang. Als ich aufwachte, konnte ich alleine wieder voll durchatmen. Ein absoluter Wahnsinn. Bereits nach einer Woche konnte ich ganz ohne Hilfsmittel Treppen steigen. Nach neun Wochen Krankenhaus und Reha, war ich wieder daheim.
ISK Viele sagen, der Charakter verändere sich nach einer solchen OP. Das gelte besonders für Herz-OPs. Was ist da dran?
Hubert Kaufleitner: Im Rahmen der Arbeit mit Betroffenen rede ich mit vielen. Es ist definitiv nicht so, dass sich der Charakter verändert, weil man ein Organ eines Fremden in sich hat. Was sich verändert, ist die Sicht auf viele Dinge des Lebens. Vieles, was man im früheren Leben als ganz normal empfunden hat, gerät in den Hintergrund. Zum Beispiel Druck auf jemanden auszuüben, damit eine Baustelle fertig wird.
ISK Gibt es ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Spender?
Hubert Kaufleitner: Nein. Das ist bei niemandem so. Keiner erfährt, wer der Spender war. Ich denke schon an meinen unbekannten Helfer und zünde ihm in der Kirche öfter eine Kerze an. Außerdem muss jedem bewusst sein, dass dem anderen Menschen nicht mehr zu helfen war, dessen Organe aber weiteres Leben ermöglichten. Bei uns in Österreich gilt die Regel, dass jeder Organspender ist, außer er ist ausdrücklich dagegen. Das ist in Deutschland anders.
ISK Kein Spaß ohne Freude. Wie sieht es mit den berühmten Nebenwirkungen aus?
Hubert Kaufleitner: Jeder Körper verfügt über ein Immunsystem, das Fremdes abstößt. Die Abstoßung hört insbesondere bei der Lunge nie auf. Ich muss täglich zwischen 15 und 20 Tabletten nehmen. Im Wesentlichen halten diese das Immunsystem eher schwach. Das begründet auch die Nebenwirkungen. Im Umkehrschluss bin ich äußerst infektanfällig und muss sehr aufpassen. Außerdem vergiften die Medikamente langsam meine Nieren, die sich mit den diversen Stoffen herumschlagen und diese abbauen müssen.
ISK Im Rahmen unseres Gesprächs wurden schon viele Punkte erläutert, die in der Aufklärungsarbeit ihres Vereins zu finden sind. Welche Dinge gibt es noch, die vielleicht komisch wirken, aber sehr wichtig sind?
Hubert Kaufleitner: Wer zum Beispiel vorher einen Hund hatte, darf danach wieder einen haben. Sich jedoch zum ersten Mal einen anschaffen, geht nicht. Außerdem darf keine Blumenerde wegen der Bildung von Schimmelpilzen im Haus sein. Genauso darf man keine Grapefruit oder Johanniskraut aufnehmen. Diese beiden Sachen neutralisieren die
Wirkung der Medikamente. Grapefruit ist in vielen Radler-Getränken enthalten.
ISK Wie lange können Spenderorgane ihren Dienst im Körper tun?
Hubert Kaufleitner: Die Ärzte sagen, dass es verschiedene kritische Zeiten gibt: nach sechs Monaten sowie nach einem, drei und sieben Jahren sind die Abstoßungsreaktionen besonders groß. Ich gehöre schon zu den Methusalixen unter den Transplantierten. Seit neun Jahren funktioniert das jetzt sehr gut. Nun sinkt aber die Lungenleistung wieder. Normal gehen kann ich schon, aber Steigungen sind eine Herausforderung. Das kann jetzt noch vier oder fünf Jahre dauern oder ganz schnell mit einer neuen Lunge gehen.
ISK Ihnen wird niemals langweilig. Sie möchten weiterhin Aufklärung betreiben?
Hubert Kaufleitner: Die Leitung der Selbsthilfegruppe habe ich abgegeben. Sie hat ein Einzugsgebiet von rund 50 Kilometern. Ich überlege mir aber auch, ob ich nicht einmal in Burghausen eine Informationsveranstaltung mache. Soweit ich weiß, gibt es in Bayern keine derartigen Anlaufstellen. Ich denke, dass es sehr wichtig wäre, die Scheu vor der Organspende zu nehmen. Vor allem, wenn man sieht, wie es Menschen geht, die davon profitieren. Dann spürt jeder den tieferen Sinn.
ISK Vielen Dank für dieses Gespräch und viel Kraft!
Uli Kaiser Inn-Salzach-Kurier
